Riskante Wahl
Mit der britischen Erstaufführung von Marc-Antoine Charpentiers «Medea» hat man an der English National Opera nicht nur künstlerisches Neuland betreten, sondern auch eine durchaus riskante Stückwahl getroffen, zumal das Haus mit umgerechnet rund 2,5 Millionen Euro in den roten Zahlen steht. Die Handlung der 1693 im Pariser Palais Royal uraufgeführten Oper mit dem modern-antiken Sujet einer zerbrechenden Liebesbeziehung verlegt Regisseur David McVicar in das Jahr 1945. Die von Bunny Christie entworfene Einheitsbühne zeigt einen großen Empfangsraum.
Von hinten, durch verglaste Barockflügeltüren, strömen im Tanzschritt Offiziere der Royal Navy, französische Soldaten sowie amerikanische Piloten auf die Bühne – und adrette Sekretärinnen, die auf Tischen mit Spielzeugpanzern Schlachtaufstellungen durchprobieren. Für intimere Szenen werden die Glastüren verblendet, zum Schluss öffnen sich die Rückwände, geben den Blick frei auf Medea, die in bedrohlicher Zauberinnenpose auf einer Säule steht.
McVicar neigt zu hyperaktiven Bewegungsensembles, wohl um die Aufritte seiner Sängerdarsteller durch Hintergrundaktionen zu unterfüttern und seinen Produktionen so vermeintlich zusätzlichen Pfiff ...
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Opernwelt April 2013
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Tom Sutcliffe
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