Erlaubt ist, was mir gefällt
Musik zur Sprache zu bringen ist ein heikles Unterfangen; noch heikler jenes, Musik erzählen zu wollen. Alex Ross ist das Wagnis eingegangen – er schildert Musik nicht um ihrer selbst willen, nicht aus Theodor Adornos Begriff des musikalischen Materials heraus, sondern er schreibt aus der Perspektive des Hörers für Hörer. «The Rest is Noise» heißt das Buch des 1968 geborenen Autors des «New Yorker», und seine größte Schwäche ist zugleich seine größte Stärke: Es gibt sich hemmungslos amerikanisch-unbekümmert.
Alex Ross versucht, die Musikgeschichte der Moderne aus Sicht des US-Publikums allgemeinverständlich zu erzählen. Die deutsche Unterzeile, die der elegante Übersetzer Ingo Herzke dem Originaltitel beigefügt hat, macht es klar: Dieser 700-seitige Essay will «Das 20. Jahrhundert hören». Ross spitzt sein Thema auf kontrastierende Figuren zu, er erzählt souverän und pointensicher – bezahlt dies allerdings mit dem Griff zu anekdotischen Quellen von zweifelhafter Glaubwürdigkeit. Seine Darstellung beginnt mit Richard Strauss’ «Salome», die er aus der freund-feindlichen Perspektive Gustav Mahlers schildert.
Dieser Kunstgriff lässt Ross seine These exponieren, wonach sich die Musik des ...
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Lehárs «Friederike» (1928) eilt ein fabelhafter Ruf voraus. Seit ihrer Uraufführung gilt die Goethe-Operette als eines der geschmacklosesten Kitschprodukte der Zeit. Andererseits drängelte sich von Albert Einstein bis Heinrich Mann alles, was Rang und Namen hatte, zur glanzvollen Uraufführung im Berliner Metropol-Theater, und keine Geringere als Käthe Dorsch...
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Philippe Jaroussky hat’s geschafft: Als erster Countertenor ist der Franzose in den kleinen Kreis der Opernstars aufgestiegen, die mit ihren Recitals die großen Konzerthallen füllen können und deren Alben sich im Hunderttausender-Bereich verkaufen. Ein Erfolg, der umso bemerkenswerter ist, als Jaroussky bislang keine Kompromisse eingegangen ist: Statt «Ave Maria»...
