Vielversprechend
Alles fängt schon vor dem Anfang an. Ein herrischer Herr mit Leuchtspeer schreitet aus dem Hintergrund, vorne lauert angriffig eine proletenhafte Gestalt. Fast eine Minute starren sie einander aus der Distanz stumm an, diese Verkörperungen von Macht und Ohnmacht, Licht und Finsternis, bevor das tiefe Es beginnt, dieses (hier offenbar als trügerisch entlarvte) Symbol unentzweiten Naturwaltens. Nein, der Antagonismus ist von Ewigkeit: Ahriman und Ormuzd, Gott und Teufel, Wotan und Alberich.
Ein bemerkenswerter Auftakt für Markus Dietz’ Kasseler «Rheingold» und das für die nächsten zwei Spielzeiten geplante «Ring»-Projekt. Viele weitere Details dieses «Vorabends» zeugen von Ideenreichtum und profunder Beschäftigung mit gewöhnlich nicht erzähltem Stoffhintergrund. So am Ende des Stücks: Statt des feierlichen Einmarschs in die Burg (zum Des-Dur-Dreiklangsmotiv) sieht man Wotan nach vorne kommen und sich mit Erda zusammentun. Eine für den Fortgang der Geschichte wesentliche Liaison, szenisch aber – der kluge Dramaturg Wagner wusste es – nicht unbedingt notwendig. Hingegen leuchtet die inhaltliche Variante stärker ein, dass die Rheintöchter von Alberich nach Nibelheim gebracht und ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Hans-Klaus Jungheinrich
Nur 20 Kilometer liegt Severodonetsk von der Front entfernt, im äußersten Osten der Ukraine. Seit 2014 ist das Gebiet teilweise von russischen Separatisten besetzt. Bis heute wird an der nahen «Grenze» geschossen. Ein Jahr nach Ausbruch des Konflikts besuchte Peter Schwarz, rühriger Kopf des Stuttgarter Kulturvereins Vladopera, die unwirtliche Chemiestadt (100 000...
Nanu, was haben wir denn da? Donna Anna in anderen Umständen? Noch während die Staatskapelle Weimar und ihr (zum Saisonende scheidender) GMD Kirill Karabits auf sprungfedernden Füßen durch die Ouvertüre flitzen, steht Heike Porstein im Brautkleid auf einem Podest im Bühnenrückraum und streicht ihre Hände sanft über den gewölbten Bauch. Zu ihrer Rechten, im...
Vorn ist einer laut schnarchend eingeschlafen, rechts drängen sich Empörte aus dem Saal, links fließen stille Tränen. Flüstern überall: Das Publikum weiß nach der Pause nicht, wohin mit sich in Romeo Castelluccis «Zauberflöte» an der Brüsseler Münze.
Doch der Reihe nach. Zunächst knöpft der Regisseur sich den Wunsch nach einem Mozart’schen Märchen vor, indem er...
