Die leise Stärke
Ein Werk wächst. Wechselt Farbe, Form, Figur. Bleibt aber beständig, nur eben anders gefasst. In seinem wunderbar präzisen «Versuch über Musik und Sprache» hat der Philosoph Albrecht Wellmer den Gedanken einer während ihres Fortbestehens in der Welt sich stetig entwickelnden Partitur umschrieben. Diese, heißt es da, sei nicht schon das Werk, das in ihr gemeint ist. Auch die Aufführung könne nicht identisch mit dem Werk sein, «da sie ja nur eine von unzählig vielen anderen möglichen klanglichen Realisierungen einer Partitur, eben von Aufführungen des Werkes, darstellt».
Folglich, vermutet Wellmer, sei das Werk nirgendwo als solches greifbar; «es» existiere nur, als niemals definitiv Fertiges, Vollendetes, wie der imaginäre Fluchtpunkt eines potenziell unabschließbaren Verweisungsspiels zwischen dem Notentext und seinen Realisierungen.
Wie kaum ein zweites Musiktheater aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kann Aribert Reimanns «Lear» unter diesem Blickwinkel betrachtet werden, zählt diese Oper doch zu jenen seltenen Werken, die nach ihrem ersten Erscheinen weiterhin enorme Beachtung gefunden haben. Von der Uraufführung 1978 in der Bayerischen Staatsoper, mit Dietrich ...
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Seit Jahrhunderten ist der Gotthard zentrale Verbindung durch die Alpen in Richtung Süden. Heute gehört der dortige Tunnel zu den Selbstverständlichkeiten von Millionen Urlaubern. Schlagzeilen darüber gibt es nur selten, es sei denn ein Unfall löst, wie 2001 Brände aus. Damals starben elf Menschen. In früheren Zeiten, als an einen Tunnel noch nicht zu denken...
Es sollte der ganz große Wurf werden. Ein Werk, das als erste «Great Australian Opera» in die Geschichte eingehen würde. Vor zehn Jahren wurde es vom wichtigsten Musiktheaterinstitut, Opera Australia, bei Brett Dean, dem prominentesten Komponisten des Fünften Kontinents, in Auftrag gegeben. Nichts weniger als ein Meisterstück erhoffte sich Simone Young, die...
Unter allen Opern Verdis nach «Rigoletto» ist «Les Vêpres siciliennes» das Aschenbrödel. Im Gegensatz zu anderen, früher ähnlich selten gespielten Werken wie «Simon Boccanegra» oder «La forza del destino» findet man die Oper aus dem Jahr 1855 heute nicht einmal gelegentlich auf den Spielplänen. Und kommt es einmal zu einer Aufführung, sind sich Fachwelt und...
