Quadratur des Kreises
Alban Bergs «Lulu» hat Konjunktur. Die vier Premieren kurz hintereinander in Basel (Calixto Bieito), Lyon (Peter Stein), Wiesbaden (Konstanze Lauterbach) und nun an Covent Garden (Christof Loy) bestätigten in ihrer szenischen Unterschiedlichkeit die Bemerkung von Karl Kraus, dass ins wahre Kunstwerk, in dem ein Dichter seine Welt gestaltet habe, alle alles hineintun könnten.
Welche Relevanz hat heute ein Stück, in dem jemand fürs Ausleben seines sexuellen Triebs bestraft wird? Vielleicht jene, die der Dramatiker Edward Bond in der Einführung zu seiner Neuübersetzung der Urfassung von Frank Wedekinds «Lulu»-Drama konstatiert: Die Monstertragödie sei das erste moderne Stück, Capitalism’s prophetic history; sie zeige Sex nicht als Aggressor, sondern als Opfer des Konsumismus.
Kein Zufall, dass sich Richard Jones in seiner Inszenierung 2002 an der English National Opera Madonna als Bezugsperson aussuchte: Lisa Saffer, die damalige Lulu, schien deutlich nach dem Pop-Star modelliert. Freilich hatte Frank Wedekind bei der Feststellung, seine Lulu wäre lächerlich, wenn sie wie ein wildes Tier gespielt würde und nicht wie eine Madonna, ein ganz anderes Bild vor Augen. Nämlich das der ...
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Die Realität von Janáceks «schwarzer» Oper – eine der finstersten der an düsteren Werken gar nicht so armen Operngeschichte des 20. Jahrhunderts – verweigert sich jedem theatralischen Realismus. Was hier in pausenlosen hundert Minuten auf die Sinne des Zuschauers und -hörers einstürmt, ist weniger die ungeschönte Brutalität der Handlung als die körperhafte Präsenz...
Als Greta Garbo eine Rolle in Sack und Asche zu spielen hatte, verlangte sie, unter den Lumpen seidene Wäsche tragen zu dürfen. Auf den Hinweis, dass keiner dies sehen würde, erwiderte sie: «Aber ich werde mich dann wohler fühlen.» Ob sich die bulgarische Sopranistin Krassimira Stoyanova wohlgefühlt hat in ihrem dunkel-düster-schäbigen Habit, das sie bei ihrem...
Peter Konwitschny, seit 2008 Chefregisseur an der Oper Leipzig, hat den dortigen Spielplan, zugegebenermaßen notgedrungen, bisher vor allem mit erfolgreichen eigenen Arbeiten bereichert, darunter einschlägige Klassiker wie seine Grazer «Aida» (1994). Im September wird er im Haus am Augustplatz seinen Hamburger «Lohengrin» (1998) in einer Neueinstudierung...
