Belcanto mit Joghurt
Doch. Man wird bei Laura Scozzis Neuinszenierung von «Benvenuto Cellini» drei Stunden lang gut, teilweise sogar blendend unterhalten. Aber nach der mit Spannung erwarteten ersten Opernpremiere des neuen Staatsintendanten Peter Theiler vermag ich dennoch nicht in Jubel auszubrechen. Denn der Abend war zwar kurzweilig und in sich stimmig, er bot zum Teil großartige Stimmen, aber er hat nicht wirklich berührt. Das hat natürlich auch mit dem Stück zu tun, nicht nur mit der Interpretation.
So ungewöhnlich die Handlung ist (mit einem (selbst-)verliebten Künstler, Handwerker, Charmeur und Mörder als Titelhelden, mit den ersten streikenden Arbeitern der Opernbühne und einem – hier kiffenden – Papst), so ungewöhnlich ist auch die Musik: Sie sprengt zwischen Opéra comique und großer Oper alle Gattungs- und Stilkonventionen, pendelt zwischen heroischen und komödiantischen Szenen, romantischem Gefühl und buffoneskem Humor. Die Regisseurin hat sich, auch wenn sie damit die ursprüngliche Intention des Komponisten trifft, allzu sehr aufs Komödiantische verlegt. Sichtlich kommt sie von der Choreografie. Sie versetzt das Werk in die Gegenwart, distanziert sich vom hohen Opernsockel und wirft sich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In Moskau ist seit dem Krieg zwischen Russland und Georgien die Atmosphäre angespannt. Überall spürt man den Druck der Krise. Eine Welle patriotischer Gefühle kam hoch angesichts der russischen Militäraktionen gegen einen kleinen Staat, dem es bis vor Kurzem freundschaftlich verbunden war. Ein anderer Teil der Bevölkerung, zweifellos eine Minderheit, empfindet...
Der Schritt, den Diana Damrau auf ihrem zweiten Soloalbum macht, ist kühner, als es auf den ersten Blick aussieht. Denn obwohl Mozart schon im Zentrum ihres CD-Debüts gestanden hatte, proklamiert die gefeierte Königin der Nacht nun ihren Anspruch auf einem Terrain, auf dem sie mit den Kronjuwelen ihres Koloratursoprans wenig ausrichten kann: Bei Elvira, Vitellia...
Nachdem Herbert von Karajan im September 1956 (Karl Böhm hatte demissioniert) die Leitung der Wiener Staatsoper übernommen hatte, erfüllte sich ein Jahr darauf sein schon 1946 erhobener Anspruch, die künstlerische Leitung der Salzburger Festspiele, bis dahin wahrgenommen von Wilhelm Furtwängler, Oscar Fritz Schuh, Caspar Neher und Gottfried von Einem, zu...
