Auf der Suche nach sich selbst
In Moskau ist seit dem Krieg zwischen Russland und Georgien die Atmosphäre angespannt. Überall spürt man den Druck der Krise. Eine Welle patriotischer Gefühle kam hoch angesichts der russischen Militäraktionen gegen einen kleinen Staat, dem es bis vor Kurzem freundschaftlich verbunden war. Ein anderer Teil der Bevölkerung, zweifellos eine Minderheit, empfindet dagegen tiefe Scham angesichts der Aggressivität und eines neuen Großmachtsgebarens. Diese widersprüchlichen Stimmungen kommen auch in der Musiktheaterszene – mal direkt, mal unterschwellig – zum Ausdruck.
An der Helikon-Oper ging kürzlich die Premiere der Oper «Rasputin» über die Bühne. Komponiert hat sie der Amerikaner Jay Reise, uraufgeführt wurde sie vor rund zwanzig Jahren an der New Yorker City Opera. Die Wahl ist interessant, spiegelt sich hier doch auch eine Tendenz zur positiven Umwertung der letzten Zarenfamilie. Sinnigerweise wurde der letzte russische Zar gerade offiziell rehabilitiert, als «Rasputin» Premiere hatte.
Es gibt in Russland bislang noch keine Oper mit einem Sujet aus der russischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Reises «Rasputin» ist gekonnt und effektvoll komponiert: Das atonale Chaos des ...
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Eine Neuproduktion von «Lucrezia Borgia» gibt es nicht alle Tage. Auch an der National Opera in
Washington wäre das Stück wohl kaum in Erwägung gezogen worden, wenn Renée Fleming nicht zugesagt hätte, die Titelpartie zu übernehmen. Vor zehn Jahren hat die Sopranistin diese Lucrezia schon einmal gesungen, an der Scala – und wurde dort von den berüchtigten...
Ihren größten Trumpf spart sich Joyce DiDonato ganz bis zum Schluss auf: Mit Dejaniras Wahnsinnszene «Where shall I fly» aus dem Oratorium «Hercules» schließt sie ihr erstes Solorecital bei Virgin ab. Eine kluge Entscheidung, denn in dieser Partie ist die Amerikanerin tatsächlich konkurrenzlos: Dass die gattenmordende Königin nach ihrer eigenen Einschätzung der...
Die Opernproduktionen deutscher Stadttheater sind flüchtige Güter: Nach oft nicht mal einem Dutzend Vorstellungen verschwinden sie schon wieder vom Spielplan, und während in Italien jede vom Repertoirewert auch nur halbwegs interessante Produktion ein williges Piratenlabel findet, blieb von den ambitionierten Entdeckungen und Neuinterpretationen hiesiger...
