Traum(a)krieg
Wie mit dem Numinosen umgehen, mit dem scheinbar nur von einem deus ex machina zu lösenden, mit Menschenkräften unentwirrbaren Schicksalsknoten? Warum diesen eigentlich nicht mehr kommunizierbaren Plot nicht als posttraumatische Fantasie eines lädierten Kriegsheimkehrers zeigen? Die Kunst besteht darin, das so unaufdringlich und mehrdeutig zu tun, dass die Größe einer Begegnung mit dem Fatum nicht zur traurigen Banalität eines medizinischen Falles schrumpft.
Der Bühnenerzähler Jan Philipp Gloger hat aus seinem überfrachteten, von Bildeinfällen gepeitschten Bayreuther «Holländer» gelernt. Drei Jahreszeiten später, beim Frankfurter «Idomeneo», wirkt seine Regie klar, konzentriert und dadurch ungleich stärker. Er hat Krieg als Hauptelement der Handlung herausgearbeitet, Mozarts motivisch und stilistisch heterogene Seria aus ihrem archaischen Rahmen gelöst und in eine technologisch aufgerüstete, militaristisch und manipulativ aktualisierte Gegenwart transferiert. Stumme Kämpfer durchschleichen die Aufführung, bedrängen die Protagonisten, lenken sie wie Marionetten.
Den lapidaren Habitus des Ganzen stiftet vor allem Franziska Bornkamms Bühnenbild: ein Raum, der auf eine kahle, helle ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Hans-Klaus Jungheinrich
Als 1983, beim letzten großen Wagner-Jubiläum, vom Team der Gesamtausgabe eine Tagung veranstaltet wurde, hieß der Bericht «Wagnerliteratur – Wagnerforschung» (erschienen bei Schott 1985). Die Trennung war, wie Carl Dahlhaus in der Einleitung schrieb, eine Art «Notwehr»: Nur ein geringer Teil dessen, was über Wagner publiziert wird, hat mit Forschung im seriösen...
Das Anhaltische Theater Dessau bringt zwischen 2012 und 2015 Wagners «Ring» heraus – originellerweise rückwärts, also in der Reihenfolge der Entstehung der Libretti (nicht aber der Partituren!) von «Siegfrieds Tod/Götterdämmerung» bis «Rheingold». Ob das wirklich eine glückliche Entscheidung war, ließ sich am «zweiten» Abend bezweifeln. Erst von André Bückers...
Der Abend könnte auch Hermanns Erzählungen heißen. Tschaikowskys Hermann und Offenbachs Hoffmann sind Brüder im romantischen Geiste – fragile Existenzen, die, wie der britische Germanist Roger Paulin schreibt, «sehr leicht ins Dämonisch-Fratzenhafte, ja ins Verbrecherische abgleiten» können. Regisseurin Eva-Maria Höckmayr erzählt in ihrer Freiburger «Pique...
