Innenwelten
Jubiläen werden gefeiert, wie sie fallen, aber nicht immer kommen dabei auch interessante Erkenntnisse, neue Lesarten, gelungene Aufführungen heraus. Die ostdeutsche Provinz legt nun im 200. Geburtsjahr Robert Schumanns gleich zwei starke Inszenierungen von dessen einziger Oper «Genoveva» vor – ein Stück also, das Zuwendung wirklich nötig hat, denn es wird bis heute als bühnenuntauglich kritisiert und selten aufgeführt. Der alte Vorwurf: Schumann war kein genuiner Theatermensch, er hat seelische Zustände, gleichsam psychische Plateaus komponiert, die auf Kosten der Handlung gehen.
Die Partitur ist gegen das Drama geschrieben. Konsequenterweise beleuchten Martin Schüler in Cottbus und Jochen Biganzoli in Zwickau vor allem diese psychologischen Seiten des Werks. Die verquaste Heiligengeschichte aus dem 8. Jahrhundert, die dem Libretto zugrunde liegt, mag zu Schumanns Zeiten populär gewesen sein, heute interessiert sie niemanden mehr. Doch sind gerade die Schwächen des Stücks seine Stärken: Einblicke in die Seelen der oftmals vereinzelt, wie autistisch agierenden Figuren öffnen Fenster in die Moderne. Logisch, dass beide Regisseure die interessanteste Figur in den Mittelpunkt rücken: ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Folklore in der «Verkauften Braut»: Ja oder nein? Und wenn ja, wie viel? Und dann ist da noch die Frage nach dem Umgang mit der Komödie an sich: Smetanas Oper von 1866 stellt Regisseure offenbar vor immer größere Probleme. Im Rhein-Main-Gebiet hat zuletzt Georg Köhl in Wiesbaden eine hintergründige Emanzipationsgeschichte der Marie herausgefiltert; Stein Winge...
Ist Paris eine Musikstadt? Sicher nicht im Sinne einer Musikmetropole wie Wien, wo man überall auf die Zeichen einer in Jahrhunderten gewachsenen, weltweit ausstrahlenden Musikkultur trifft. Paris ist einfach zu groß, zu vielgestaltig in seinen Lebensfunktionen, um der Tonkunst den Vortritt einzuräumen. Gleichwohl begegnet der Musikliebhaber dort einer Fülle...
Es sieht ganz so aus, als ob Unsuk Chins «Alice» zu den wenigen zeitgenössischen Opern gehört, denen nach der ersten Aufführungsserie ein Weiterleben vergönnt ist: Drei Jahre nach der Uraufführung an der bayerischen Staatsoper wagt sich jetzt Genfs Grand Théâtre an das Stück, 2011 will Bielefeld folgen. Verdient hat «Alice» das allemal: In seiner spielerischen...
