Probebühne Paris
Ist Paris eine Musikstadt? Sicher nicht im Sinne einer Musikmetropole wie Wien, wo man überall auf die Zeichen einer in Jahrhunderten gewachsenen, weltweit ausstrahlenden Musikkultur trifft. Paris ist einfach zu groß, zu vielgestaltig in seinen Lebensfunktionen, um der Tonkunst den Vortritt einzuräumen. Gleichwohl begegnet der Musikliebhaber dort einer Fülle hochkarätiger Angebote, wie sie einer Weltstadt anstehen.
Dazu zählt auch die Oper.
Seit den Tagen von Hugues Gall und Gerard Mortier überrascht die Opéra National mit den beiden Häusern Opéra Bastille und Palais Garnier durch eine früher nicht gekannte Stetigkeit des Angebots: Mehr als vierhundert Aufführungen in Oper und Ballett pro Saison sind inzwischen die Norm. Der neue Intendant Nicolas Joël kann darauf bauen. Das städtische Théâtre du Châtelet, das einmal ein ernsthafter Konkurrent der Nationaloper war, hat sich überwiegend der musikalischen Unterhaltung zugewandt, Oper erscheint dort nur noch selten auf dem Spielplan. Dafür besinnt sich die Opéra Comique, auch Salle Favart genannt, nach dem Amüsiertaumel unter Jérôme Savary wieder auf die Gattung und Kunstform «Oper». Jérôme Deschamps heißt der neue künstlerische ...
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Vorweg: Lassen Sie sich durch das Cover-Foto nicht irre machen! Die lettische Mezzosopranistin Elina Garanca ist anders und besser als ihre PR, die sie offenbar als erotische Ikone für eine männliche Zielgruppe 70+ vermarkten will. Ihr neues Album, das ihre viel gelobte Carmen ins Umfeld spanischer und von Zigeunermelodik inspirierter Musik stellt, weist sie als...
PROGRAMMTIPP: «Lulu»
Frank Wedekinds Lulu-Tragödien machten nicht nur auf der Schauspielbühne Furore. Alban Berg stellte die «Nachtwandlerin der Liebe» (Karl Kraus), die sich jenseits aller moralischen Konvention bewegt, ins Zentrum seiner letzten (unvollendet gebliebenen) Oper. Nun bringen die Salzburger Festspiele in der Felsenreitschule eine Neuproduktion der...
Ein «Traktat über die heilende Kraft homosexueller Liebe» nannte der Librettist E. M. Foster Benjamin Brittens Oper «Billy Budd». Doch spielte dies in der Rezeptionsgeschichte des Werks kaum eine Rolle. Zum Thema Männerliebe verhielten sich die Engländer, zumal die Vertreter der Mittel- und Oberschicht, lange ambivalent. Gern zitierte man in diesem Zusammenhang...
