Wagners Grenzen

An Wagners Partien ist schon mancher gescheitert. Schuld der Sänger? Nicht unbedingt! Schon der Gesangspädagoge Otto Iro (1890-1971) hat gezeigt, dass Wagner bisweilen wider jede Physis und jede gesangstechnische Logik schrieb. Wir drucken Auszüge.

Opernwelt - Logo

Die Perspektive ist ungewohnt. Meist wird es den Sängerinnen und Sängern angelastet, wenn sie mit Wagners Partien nicht zurechtkommen. Otto Iro argumentiert umgekehrt: Wo liegen Wagners Irrtümer bei der Ge­staltung seiner Rollen? Wo fordert er Dinge, die jeder Physis und jeder gesangstechnischen Logik widersprechen? Otto Iro (1890–1971) stammte aus dem Sudetenland, studierte in Wien neben seiner Gesangsausbildung auch Musikwissenschaft bei Guido Adler. Eine Sängerkarriere hat er nie gemacht. Vielmehr wurde er schon früh zu einem der wichtigsten Gesangspädagogen seiner Zeit.

Elsa Cavelti, Fritz Krenn und Josef von Manowarda gehören zu seinen Schülern. Ab 1919 gab er im Selbstverlag die Zeitschrift «Die Stimmbildung. Stimmwissen­schaftliche Blätter für Kultur und Kritik des Kunstgesangs» heraus und war zugleich ihr wichtigster Autor. Es ist keine Übertreibung: In den 1920er- und 1930er-Jahren hat niemand so griffig und luzide über Gesang geschrieben wie Otto Iro. Wir dokumentieren Auszüge aus seinen zentralen Texten. Sie gehen über Fragen des Wagner-Gesangs hinaus und wirken vielfach in geradezu bestürzender Weise aktuell. Aufmerksam gemacht auf diese Texte hat uns – Ehre wem Ehre ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Dokumentation, Seite 40
von

Weitere Beiträge
Editorial Mai

Der ganz normale Wagner-Wahnsinn, könnte man sagen. Und doch: Gerade wenn es nicht so läuft, wie es soll, kommen erstaunliche Dinge ans Licht. Zum Beispiel, dass Lance Ryan, einer der meistbeschäftigten Tenöre des Wagner-Jahres, sich zumutet, an einem Tag, an dem er an der Berliner Staatsoper (zu Höchstpreisen) den Siegfried singen soll, auch noch anzureisen. Eine...

Second Life

Das Anhaltische Theater Dessau bringt zwischen 2012 und 2015 Wagners «Ring» heraus – originellerweise rückwärts, also in der Reihenfolge der Entstehung der Libretti (nicht aber der Partituren!) von «Siegfrieds Tod/Götterdämmerung» bis «Rheingold». Ob das wirklich eine glückliche Entscheidung war, ließ sich am «zweiten» Abend bezweifeln. Erst von André Bückers...

Traum(a)krieg

Wie mit dem Numinosen umgehen, mit dem scheinbar nur von einem deus ex machina zu ­lösenden, mit Menschenkräften unentwirrbaren Schicksalsknoten? Warum diesen eigentlich nicht mehr kommunizierbaren Plot nicht als posttraumatische Fantasie eines lädierten Kriegsheimkehrers zeigen? Die Kunst besteht darin, das so unaufdringlich und mehrdeutig zu tun, dass die Größe...