Präziser Klang, pubertäre Szene

Mainz | Wagner: Tristan und Isolde

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Elf Jahre lang war Hermann Bäumer Posaunist bei den Berliner Philharmonikern, bevor er diese sichere Stellung verließ, um als Dirigent von Jugendorchestern und als GMD in Osnabrück ein neues Leben anzufangen. Ein Aussteiger, der den event- und profitgeilen Klassikmarkt getauscht hat für ein konzentriertes Arbeiten an der Musik selbst – und dafür in die Provinz ging. Osnabrück hat durch ihn wieder einen guten Klang (im Doppelsinn des Wortes). Seit Beginn der Spielzeit 2011/12 ist Bäumer GMD in Mainz.

Sein Einstand mit «Tristan und Isolde» war ein Lehrstück klug disponierender Orchesterarbeit. Kleine Streicherbesetzung, genau austariert die Solo- und Chorfunktion der Holzbläser, dynamisch flexibel das Blech. Wagners «Tristan» nicht als üppige Ikone der (unsinnigerweise so genannten) Spätromantik, sondern als Stück aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, das die Kenntnis von Beethoven, Bellini, Berlioz und Weber nicht leugnet und doch völlig eigene Wege geht. Sein Vorstoß in die Moderne wird dadurch nicht weniger, sondern deutlicher hörbar. Zudem orientieren sich Bäumers Tempi stets an semantischen Zusammenhängen, meist also am natürlichen Sprechtempo der Figuren (darin Wagners vielfach ...

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Opernwelt November 2011
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Stephan Mösch

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