Achterbahn der Gefühle
In zwei Jahren feiert der «Rosenkavalier» seinen hundertsten Geburtstag. So langsam wird klar, welch bitterböses, ironisch-pessimistisches Stück uns Hofmannsthal und Strauss mit dieser Komödie hinterlassen haben. Wenn am Ende der Vorhang fällt, hat nicht nur der derbe Baron Ochs eine schmerzhafte Abreibung erhalten – auch die Marschallin, die sich die Zeit mit jüngeren Liebhabern vertreibt, ist bloßgestellt, und selbst hinter das Happy End des jugendlichen Liebespaares, des 17-jährigen Octavian und der 15-jährigen Sophie, setzen Text wie Musik ihr unüberhörbares Fragezeichen.
In Christof Nels Inszenierung erlebt man allesamt schillernde, tief unsichere Menschen, die wenig miteinander kommunizieren und viel mit sich selbst beschäftigt sind. Nel zerlegt die Handlung in Situationen, Stimmungen, Seelensplitter und bricht so von Anfang an die Scheinharmonie auf, die man uns im «Rosenkavalier» immer als Harmonie vorgespiegelt hat. Bei diesem analytischen Zugang kommt es weniger auf Atmosphäre als auf Tiefenschärfe an. Knallrote, fahrbare Stoffbahnen liefern dazu auf Jens Kilians sich ständig wandelnder Bühne einen adäquaten Rahmen. Das Interesse gilt Hofmannsthals Beziehungsdramaturgie, ...
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Der neue Mann hat bereits geurteilt: Dieses Opernhaus sei renommiert, aber «etwas heruntergekommen». Aviel Cahn, der neue Chef der Vlaamse Opera in Antwerpen/Gent, hielt sich mit garstigen Bemerkungen über seinen Vorgänger Marc Clémeur nicht zurück. In den achtzehn Jahren von Clémeurs dortigem Wirken habe sich eine «gewisse Laisser-faire-Stimmung breit gemacht»....
Fast jedes Jahr das gleiche Bild: Wenn wir im Spätsommer fünfzig Kritiker aus aller Welt bitten, die zurückliegende Saison zu bilanzieren, kommt die Opernmetropole Berlin schlecht weg. Immer wieder löst das konzeptionelle, finanzielle und politische Chaos, das die drei Häuser der Hauptstadt begleitet, ungläubiges Kopfschütteln aus. Natürlich gibt es auch Licht: Die...
Es waren Momente der Magie und des Staunens. Hinter der tschechischen Grenze, so glaubten wir Kinder, begann die Welt unserer Träume. Stunden verbrachten wir vor Märchenverfilmungen aus der CSSR, später entzückte uns Pan Tau, der Magier mit Melone, der die Menschen liebte. Und in der Schule begannen wir zu träumen, wenn der Musiklehrer Smetanas «Moldau» auflegte –...
