Eine Nixe kommt selten allein
Es waren Momente der Magie und des Staunens. Hinter der tschechischen Grenze, so glaubten wir Kinder, begann die Welt unserer Träume. Stunden verbrachten wir vor Märchenverfilmungen aus der CSSR, später entzückte uns Pan Tau, der Magier mit Melone, der die Menschen liebte. Und in der Schule begannen wir zu träumen, wenn der Musiklehrer Smetanas «Moldau» auflegte – mit den zarten Nymphen, die im silbernen Mondlicht Reigen tanzen.
Diesen musikalischen Moment seines großen Vorgängers hatte sich Antonín Dvorák gemerkt.
Das «Lied an den Mond» wurde als Sopranarie zum weltberühmten Divenkonfekt; vor allem ist es die selige Lichtszene seiner Oper «Rusalka» von 1900, die von der Verwandlung einer Nixe in ein menschliches, aber stummes Wesen erzählt – und vom Tod, den sie dem geliebten, doch treulosen Prinzen bringen muss. Rusalka ist eins jener Fabelwesen, in deren See Mythologie und Literatur (etwa Andersen und Puschkin) gern gefischt haben, mit guten und sogar psychoanalytischen Fangergebnissen bis Jean Giraudoux und Ingeborg Bachmann.
Ein glücklicher Zufall wollte es, dass Dvoráks Oper nun innerhalb von vierundzwanzig Stunden zweimal Premiere hatte: in Brüssels Théâtre de la Monnaie und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Manchmal muss eben der Brandschutz ein Machtwort sprechen, damit sich etwas bewegt. Im Wuppertaler Opernhaus wäre wohl bis heute alles beim Alten, wenn die Feuerexperten nicht eines Tages die Schließung des maroden Gebäudes angedroht hätten. Erst dann rang sich die hoch verschuldete Stadt am Rande des Bergischen Landes durch, den Bau aus den fünfziger Jahren...
Herr Spuck, was hat Sie bewogen, sich der Oper zuzuwenden? Ein äußerlicher Anlass? Innere Notwendigkeit?
Neugierde. Faszination eines Metiers, das ich schon immer mochte. Einer der Gründe, weswegen ich vor drei Jahren am Theater Heidelberg die Oper «Berenice» von Johannes Maria Staud inszeniert habe, war der Wunsch, intensiver an der Entwicklung der Bühnenfiguren zu...
Im 19. Jahrhundert musste man die Legende der Genoveva niemandem lang erklären. Die Geschichte jener Frau, die von einem zurückgewiesenen Verehrer fälschlich der Untreue bezichtigt und vom vermeintlich betrogenen Ehemann zum Tode verurteilt wird, gehörte zum literarischen Gemeingut des Biedermeier und der Romantik. Ludwig Tieck hatte den Stoff 1800 zu einem...
