Der Entdecker
Der neue Mann hat bereits geurteilt: Dieses Opernhaus sei renommiert, aber «etwas heruntergekommen». Aviel Cahn, der neue Chef der Vlaamse Opera in Antwerpen/Gent, hielt sich mit garstigen Bemerkungen über seinen Vorgänger Marc Clémeur nicht zurück. In den achtzehn Jahren von Clémeurs dortigem Wirken habe sich eine «gewisse Laisser-faire-Stimmung breit gemacht». Cahns Pläne wollen über den «engen Zirkel der Mozart-Verdi-Wagner-Freunde» hinausreichen, sie soll gesellschaftlich relevant sein und Kontexte schaffen.
Kann sein, dass Cahn hier eine verengte Optik hat.
Clémeurs Zeit als Intendant der Flämischen Oper war insgesamt eine erstaunlich hochwertige, und sie ist auch qualitativ zum Ende hin nicht weggebrochen. Das lag daran, dass es neben Produktionen von durchaus ordentlichem Niveau regelmäßig Schübe der Spitzenkunst gab. An ihnen waren konsequent drei Regisseure beteiligt: Robert Carsen, der mit Altmeister Silvio Varviso einen wunderbaren Puccini-Zyklus gestaltete (sogar mit einer fabelhaften «Fanciulla») und später einen poetischen Janácek-Zyklus anschloss; sodann Guy Joosten, der uns einen zu Tränen rührenden «Rigoletto» bescherte und dessen Mozart-Zyklus mit durchaus ...
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Die Saarbrücker Generalintendantin Dagmar Schlingmann hat für ihre Inszenierung von Rossinis «Barbier von Sevilla» an der Commedia dell’arte Maß genommen. Herausgekommen ist allerdings wenig mehr als eine müde Posse. Originell geriet der Beginn, wenn Almavivas Ständchen auf die von ihrem Vormund Bartolo unter Verschluss gehaltene Rosina vom karikierten Auftritt...
Wie wenig sich die Zeiten ändern! 1992, als die Scala-Saison ebenfalls mit «Don Carlo» eröffnet wurde, habe vier Tage «Weltuntergangsstimmung» geherrscht und eine «nationale Identitäskrise» gedroht, berichtete Gabor Halasz damals in «Opernwelt» (siehe OW 2/1993). Der Grund: Luciano Pavarotti war grausam ausgepfiffen worden, weil er das hohe «H» nicht einwandfrei...
Herr Pape, Sie haben als Knabe im Dresdner Kreuzchor oft vom Teufel singen müssen. Haben Sie als Kind auch an den Teufel geglaubt?
Ach wo, ich habe an den Teufel genauso wenig geglaubt wie an Gott. Der Teufel ist erst in mein Leben getreten, als ich ihn auf der Bühne dargestellt habe. Außerdem bevorzuge ich die Bezeichnung Mephisto. Das klingt nicht so negativ.
Ist...
