Troll mit Trolley
Nicht schon wieder, möchte man auf den ersten Blick sagen. Nicht schon wieder dem Theater beim Erschaffen der Illusion zusehen müssen. Nicht schon wieder diese Versuchsanordnung zum Thema «Wie fülle ich eine leere Bühne». Aber erstens passt zu einer Oper nach Shakespeare diese elisabethanische Purheit. Zweitens hat Regisseur Michiel Dijkema an diesem Hause schon mit seiner bildermächtigen Inszenierung von Florian Gassmanns «L’opera seria» gezeigt, dass er als Bühnenzauberer ein paar wirkungsvolle Tricks auf Lager hat.
Und drittens malt in Brittens «Sommernachtstraum» die Musik ihre ganz eigenen Bilder.
Und da kann Hannovers Generalmusikdirektorin Karen Kamensek (die gerade angekündigt hat, ihren im nächsten Sommer auslaufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen) deutliche Akzente setzen. Auch wenn das Raunen und Fragen des knappen Vorspiels noch ein bisschen geheimnisarm tönt: Das Niedersächsische Staatsorchester findet unter ihrer Leitung zu kammermusikalischer Präzision und Klarheit. Zudem arbeitet Kamensek im dritten Akt den musikalischen Witz der Handwerkerposse pointiert heraus.
Aus dem Weber, dem Schneider und dem Kesselflicker sind in Hannover Bauarbeiter geworden, die mit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Rainer Wagner
Und wieder kommt uns bei «The Rape of Lucretia» der sarkastisch-sexistische Aphorismus Georg Christoph Lichtenbergs über die «Ehre der Frauenzimmer», die, pardon, «nur einen halben Zoll vom Arsche abliegt» (Zitat aus Lichtenbergs «Sudelbüchern»), in den Sinn. Zwar weit weniger sudelig, aber dennoch merkbar scheint dies auch über Benjamin Brittens zweiter Oper zu...
Es gibt da ein Spiel, das Opernfans in England gern spielen. Es heißt «Richard Jones Bingo» und geht so: Man geht in eine Jones-Inszenierung. Und jedes Mal, wenn man eins seiner Markenzeichen sieht, gibt’s ein Kreuzchen. Eine Blümchentapete? Ein Waschbecken? Ein Sänger, der seltsame Verrenkungen macht? Bingo!
Gerade laufen in Glyndebourne die Proben für den...
Es war kein Mordversuch wie im Libretto vorgesehen. Eher ein kleiner Streit. Ein falsches Wort, die Stimmung kippt, und schon finden sich die Hände des Grafen Belfiore (Enea Scala) am Hals der Marchesa Violante (Erin Morley). Hat er wirklich zugedrückt? Möglich. Wenn ja, dann nur ein bisschen, wie zum Spaß. Doch Violante ist ihm ebenbürtig. Dass sie tot zu Boden...
