Fuss in der Türe
Händel scheint seinen Fuß endgültig in der Türe der Opernhäuser zu haben. Nicht zuletzt, weil – wie ein kluger Kopf im Jahrbuch dieser Zeitschrift bereits vor zehn Jahren feststellte – sein Œuvre und die Barockoper überhaupt zum Musiktheater der Postmoderne geworden ist: ganz auf der Höhe der Zeit wegen der Gebrochenheit der Charaktere und einer Vermischung von Realitätsebenen, der Affinität zu Fantasy- und Comic-Welten.
Auch die sogenannte «Theater-Provinz» nimmt sich Händels vermehrt an – mit beachtlichen Ergebnissen, was auch der nun erschienene Mitschnitt einer Produktion aus dem Jahr 2008 von «Agrippina» am Staatstheater Saarbrücken beweist. Die 1709 in Venedig uraufgeführte Oper hat bereits alles vorzuweisen, was Jahrhunderte später Soaps wie «Dallas» und «Dynasty» («Denver Clan») auszeichnet: Intrigen, Kabalen und eine Menge Erotik. Peter Lunds Inszenierung verzichtet jedoch auf heutige Anspielungen. Seine römischen Royals sind zeitlos, die Kostüme der Achim-Freyer-Schülerin Claudia Doderer holen sich Anregungen aus vielen Perioden und Stilen. In Doderers abstraktem, poetischem Raum legt Lund es vor allem auf ausgefeilte, konzentrierte Personenführung an, und die ...
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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Gerhard Persché
Gut 25 Jahre lief die Vorgängerproduktion von Hans Neuenfels. So viel Zeit wird man Jan Bosses «Rigoletto» kaum zubilligen: Müde Buhs erntet der Berliner Opern-Debütant für eine Inszenierung, bei der der Zuschauerraum der Deutschen Oper auf der Bühne dupliziert wird. Man spiegelt Parkett und ersten Rang samt Holzverschalung. Binnen eines Jahres ist dies schon die...
Er war eine Instanz. Die Instanz. An ihm kam kein Impresario, kein Komponist vorbei, der im 18. Jahrhundert auf Ruhm und Reichtum spekulierte. Poeta Cesareo der Habsburger, Staatsdichter Karls VI. und Maria Theresias. Wenn das höfische Musiktheater einen «Weltstar» hinter den Kulissen hatte, so war es der Römer Antonio Trapassi. Unter dem Namen Pietro Metastasio...
Sechs Opernpremieren hat das Tschechische Nationaltheater Prag für die kommende Spielzeit angekündigt: Im Stammhaus an der Moldau etwa soll es Ende Oktober einen neuen «Simon Boccanegra» geben – David Pountney überarbeitet seine alte Inszenierung von der Welsh National Opera (1997), am Pult steht Jaroslav Kyzlink, seit 2012 «Chefdirigent der Tschechischen...
