Quasi konzertant
Gut 25 Jahre lief die Vorgängerproduktion von Hans Neuenfels. So viel Zeit wird man Jan Bosses «Rigoletto» kaum zubilligen: Müde Buhs erntet der Berliner Opern-Debütant für eine Inszenierung, bei der der Zuschauerraum der Deutschen Oper auf der Bühne dupliziert wird. Man spiegelt Parkett und ersten Rang samt Holzverschalung. Binnen eines Jahres ist dies schon die zweite Inszenierung, in der das Haus auf sich selbst Bezug nimmt (ähnlich in Robert Carsens «Liebe zu den drei Orangen»). Das Problem ist: Im Fall Bosse ergibt sich dramaturgisch nichts daraus.
Das Auffälligste bleiben die Zuhälter-Kostüme von Kathrin Plath; eine unfreiwillige Reminiszenz an die Ära der Berliner Rotlicht-Legende Otto Schwanz. Und Rigoletto als Goldlametta-Häschen. Andrzej Dobber in der Titelrolle klingt inzwischen wie eine mildere Kopie des großen Tito Gobbi: ein echter, weich angerauter Verdi-Bariton, (dem in der dritten Vorstellung freilich beinahe die Stimme wegbricht). Die am Premierenabend für die erkrankte Lucy Crowe eingesprungene, von der Seite singende Olesya Golovneva entpuppt sich als vorzügliche, russische Gilda. Albert Pesendorfer ist ein abgründig schwarzer, volltönender Sparafucile. Alles ...
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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Kai Luehrs-Kaiser
Natürlich drehte sich wieder alles um ihn. Um den Tenorissimo a. D., der auf seine alten Tage mit aller Macht ins Bariton-Fach drängt. Schon zu Beginn der Neunzigerjahre hatte Plácido Domingo zum ersten Mal tieferes Terrain erkundet – im Tonstudio, als Rossinis Figaro für die DG-Aufnahme des «Barbiere». Im November 2007 folgte an der Met Glucks Orest, zwei Jahre...
Eigentlich hat Jules Massenets «Don Quichotte» alles, was eine Oper braucht: eine tragikomische Liebesgeschichte, eine starke Hauptfigur, sentimentale Szenen unter nächtlichem Sternhimmel, große und lebendige Chöre und ein tränenreiches Ende. Dennoch ist das Werk nach dem Schauspiel «Le Chevalier de la longue figure» – für das natürlich Cervantes unsterblicher...
Aschgraue Backsteinwände, auf dem Boden ein abgenutzter Teppich, ein paar zersessene Stühle, ein Flügel, altmodische Lampen, ein Kleiderständer. Melancholie durchweht den Raum, die Melancholie der Erinnerungen. Berlioz war hier, Rossini, Wagner, um nur einige zu nennen, damals, als der Salon von Pauline Viardot Stadtgespräch war in Paris. Jetzt sitzt die Dame des...
