Heimgeholt
Er war eine Instanz. Die Instanz. An ihm kam kein Impresario, kein Komponist vorbei, der im 18. Jahrhundert auf Ruhm und Reichtum spekulierte. Poeta Cesareo der Habsburger, Staatsdichter Karls VI. und Maria Theresias. Wenn das höfische Musiktheater einen «Weltstar» hinter den Kulissen hatte, so war es der Römer Antonio Trapassi. Unter dem Namen Pietro Metastasio gab er die Stoffe, Texte und das Versmaß für jenen italienischen Typus der Barockoper vor, der damals die Bühnen Europas dominierte: die Opera seria.
In 27 allegorischen, mythensatten Libretti variierte Metastasio seine zentrale Botschaft: eine Eloge auf die Weisheit und Sittlichkeit des aufgeklärten Absolutismus. Von Sankt Petersburg bis Neapel zwitscherte die Elite des barocken Ziergesangs nach seinen Reimen – fast sieben Jahrzehnte lang, bis die Französische Revolution mit den Ancien Régimes auch deren in der Oper inszenierte Selbstbilder hinwegfegte (nicht zuletzt die in Versailles und Paris zelebrierte Tragédie lyrique).
Erste Risse hatte das metastasianische Modell – die durchregulierte, übergangslose Abfolge von Arien und Rezitativen; die hierarchische Verteilung der Nummern (Bevorzugung sozial höher gestellter ...
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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Albrecht Thiemann
Vielleicht ist «Tannhäuser» heute die am schwierigsten zu inszenierende Wagner-Oper? Der Sündenfall des Venusbergs ist in Zeiten von Patchwork-Beziehungen und allgegenwärtiger Pornografie ja nur noch schwer plausibel zu machen. So scheint fast zwangsläufig, dass heutige Regisseure die Kategorien von Schuld und Sühne aufzuweichen geneigt sind und für die einst...
Eigentlich hat Jules Massenets «Don Quichotte» alles, was eine Oper braucht: eine tragikomische Liebesgeschichte, eine starke Hauptfigur, sentimentale Szenen unter nächtlichem Sternhimmel, große und lebendige Chöre und ein tränenreiches Ende. Dennoch ist das Werk nach dem Schauspiel «Le Chevalier de la longue figure» – für das natürlich Cervantes unsterblicher...
54. Jahrgang, Nr 6
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag - Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752256
Redaktion Opernwelt
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe war der 13.05.2013
Redaktion:
Stephan Mösch (V. i. S. d. P.)
Albrecht...
