Die Kunst des Diskreten

Francis Biggi kleidet Angelo ­Polizianos «Fabula di Orpheo» ­musikalisch ein

Opernwelt - Logo

Ein Aufruf zur Stille ist immer gut. Auch ­Angelo Polizianos Auseinandersetzung mit dem Orpheus-Stoff beginnt mit einem «Silenzio». Irgendwie ist dieses Gebot bezeichnend für die gesamte Aufführung des Ensembles «La Compagnia dell’Orpheo» unter Francis Biggi. Durchweg siegt die Kunst des Diskreten. Es ist eine Musik, die über weite Strecken ohne Forte auskommt, in der die Zwischenreiche von Pianissimo bis Mezzoforte so vielseitig sind, dass man eine Wendung ins Laute nicht wirklich vermisst.


Eigentlich handelt es sich bei Polizianos «Fabula di Orpheo» von 1494 um ein Schauspiel, das weniger als Tragödie angelegt ist, als vielmehr in der Tradition der satirischen «Fabula» nach griechischem Vorbild steht. Biggi und seine «Compgania» haben dieses Werk nun musikalisch eingewandet. Dabei entstand eine Mischung aus Musik, Sprachpoesie und szenischer Umsetzung, wobei Letztere dem CD-Hörer natürlich vorenthalten bleibt. Mit dieser Musikalisierung verbunden ist ein Diskurs über Mythos und Gegenwart. Wie kann der Mythos heute, durch die Brille der Vergangenheit, klingen, mit welchen Mitteln lässt er sich gleichermaßen zeitlos wie zeitbezogen aufarbeiten?
Die Qualität des Musikalischen gerät ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2008
Rubrik: CDs, Seite 55
von Christoph Vratz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gefühl ist alles

Sie hat Lorenzo da Ponte persönlich gekannt und erlebte noch die Ära von Claude Debussy und Richard Strauss. Pauline Viardot (1821-1910), Tochter von Manuel García und jüngere Schwester von Maria Malibran, war nicht nur eine epochale Sängerin, sondern auch eine wache und wichtige Zeugin ihres Jahrhunderts. Während ihrer aktiven Zeit rissen sich die großen...

Leuchtspur des Inneren

Achim Freyer, der große Bühnenkünstler und Maler, zeigt in seiner gleichermaßen verstö­renden wie beeindruckenden Mannheimer Inszenierung von Verdis «La traviata», warum uns bei diesem Stück immer die Tränen kommen. Er hat Verdis Musik genauer gelesen, als wir sie bisher zu kennen meinten, und hinter dem Ver­gnügungstrubel der Pariser Gesellschaft die Leere, hinter...

Im Sog des Perlenfischers

Wenn Intendant Frank Feitler Marktforschung betreiben will, dann geht er in der Pause einer Opernaufführung seines Luxemburger «Grand Théâtre» in die hauseigene Tiefgarage. Dort ballen sich Autos mit D-Kennzeichen. Auf «fast siebzig Prozent» schätzt der Theater-Manager den Anteil der Nicht-Luxemburger, die kommen, um einen Hauch der großen Opernwelt zu erhaschen.
A...