Tanz am Abgrund
Als Greta Garbo eine Rolle in Sack und Asche zu spielen hatte, verlangte sie, unter den Lumpen seidene Wäsche tragen zu dürfen. Auf den Hinweis, dass keiner dies sehen würde, erwiderte sie: «Aber ich werde mich dann wohler fühlen.
» Ob sich die bulgarische Sopranistin Krassimira Stoyanova wohlgefühlt hat in ihrem dunkel-düster-schäbigen Habit, das sie bei ihrem (grandiosen) Rollendebüt als Iphigénie en Tauride an der Hamburger Staatsoper zu tragen hatte – in einer Inszenierung, die den Charakter eines Endspiels hat? Statt des chorischen lieto fine erklingen einige Takte aus einer von Gluck nachkomponierten Ballettmusik, die einen Bogen zurück zum Vorspiel führt, dessen idyllischer Charakter freilich szenisch konterkariert wird.
Während des anmutig-pastoral einsetzenden Vorspiels hebt sich der Vorhang keineswegs über einer idealisierten arkadischen Landschaft. Der Blick fällt auf eine riesige, rostige Wand, welche die Bühne abschließt. Der von fern sich ankündigende Sturm mit seinen Fortissimo-Blitzen und prasselndem Regen und Hagel wird – auf Kosten der subtil instrumentierten Musik – durch eine Windmaschine lärmend übersteigert. Ebenso überflüssig die Einfalt der choreografischen ...
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Louis Spohr spielt als Opernkomponist nur eine Nebenrolle im Repertoire. Allenfalls «Jessonda» und seine Vertonung des Faust-Stoffes sind ab und an zu sehen. Kaum mehr als eine Ahnung hat sich beim Publikum davon bewahren können, welch einflussreiche und hoch geschätzte Künstlerpersönlichkeit Spohr zu Lebzeiten war. «Avantgardist des Musiklebens seiner Zeit» hat...
Peter Konwitschny, seit 2008 Chefregisseur an der Oper Leipzig, hat den dortigen Spielplan, zugegebenermaßen notgedrungen, bisher vor allem mit erfolgreichen eigenen Arbeiten bereichert, darunter einschlägige Klassiker wie seine Grazer «Aida» (1994). Im September wird er im Haus am Augustplatz seinen Hamburger «Lohengrin» (1998) in einer Neueinstudierung...
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