Armer Weill

Opernwelt - Logo

Mit einem implantierbaren Biochip, der Internetdaten direkt im menschlichen Gehirn speichert, will der Konzern G & B Milliarden machen. It’s a brave new world, baby. Franz Koglmann (Musik) und Alfred Zellinger (Text) wollen mit ihrer Oper «Join!», uraufgeführt Anfang Mai bei den Wiener Festwochen, George Orwell und Aldous Huxley beschwören. Vergebens. Mit seiner ersten Oper «Fear Death by Water» hatte Koglmann vor zehn Jahren durchaus Eindruck zu machen verstanden, doch da war auch T. S. Eliots «The Waste Land» die literarische Grundlage.

Hier ist es ein Spiel über die Welt der Wirtschaftszocker, das der Ex-Manager Zellinger möglicherweise als Retourkutsche verfasste. Das Beste ist noch Koglmanns vom Ensemble die reihe und einer engagierten Sängerriege unter Carsten Paap flott exekutierte Partitur, ein Stilmix aus Pop, Jazz, Latin, Berg, Krenek, Weill. Aber insgesamt muss man hoffen, dass die zweite Uraufführung dieser Festspiele, Diego Colattis und Juan Tafurs «Ballade von El muerto» über einen mexikanischen Auftragskiller und Drogenkurier mehr Muskeln zeigt. Denn «Join!» geriert sich – auch in der Inszenierung von Michael Scheidl – als schlapper Nachfahr der Gattung Lehrstück. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Totenmesse und Tragödie

Kirchenbänke vor, Kirchenbänke auf der Bühne. Dazwischen der Graben mit dem großen Orchester. Die Gemeinde zunächst mit dem Rücken zum Parkett. Ganz hinten der Kinderchor. Am rechten Rand errichtete die Bühnenbildnerin Susanne Gschwender ein haushohes Metallgerüst: viel Gestänge, dazu Stiegen und Podeste und das Kammerorchester auf der ersten Etage. Den...

Aufreizend harmlos

Dieser Mann musste nach oben. An die Spitze ­einer mafiosen Gesellschaft. Trenchcoat-Machtmenschen haben ihn, den Schwächling, dazu benutzt. Anders sie. Diese Frau will nach oben, mit allen Mitteln. Viel haben Simon und Amelia demnach nicht gemein. Nicht einmal die Gene, wie ­Regisseur Dmitri Tcherniakov behauptet. Eine  Fremde ist sie, eine falsche Tochter, die...

Exemplarisch

Wohl kaum ein Komponist hat sein Œuvre so auf seinen Lebenspartner zugeschnitten wie Benjamin Britten, obwohl man Peter Pears – wie Humphrey Carpenter in seiner Britten-Biografie bemerkt – zunächst eine künstlerische Zukunft kaum zutraute. «Ich konnte ihn mir weder als Opern-, noch als Liedsänger vorstellen», meinte der Dirigent Trevor Harvey. Doch Lord Harewood,...