Wider die Ideologie der absoluten Musik

Leon Botsteins Aufsätze zu einer Musikgeschichte des Hörens

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Titel, Untertitel und Klappentext von Leon Botsteins Buch führen den Interessenten in die Irre. Die sechs Aufsätze des renommierten amerikanischen Dirigenten und Musikwissenschaftlers handeln nicht von «Macht und Ohnmacht der Musikgeschichte», wie der Verlag insinuiert, sondern sind einlässliche rezeptionsgeschichtliche Studien zu Beethoven, Schubert, Brahms, Mahler, Schönberg und Berg. Ihr Reiz, aber auch ihre Crux liegen in der mal stärker, mal laxer verknüpften Verbindung von zeitgenössischer Wiener Umwelt und musikalischer Botschaft.

Vor allem in den Porträts von Schubert und Brahms rücken die spezifischen Lebenswelten der beiden Komponisten – bei Schubert die Verortung im trostlosen Alltag der Metternich-Zeit mit seinen prekären Lebensumständen, bei Brahms die Einbindung in die bürgerliche Wiener Musikkultur – ins Zentrum der Darstellung. Während bei Schubert der Brückenschlag zur Musik als «Medium eines psychologischen und gegenständlichen Realismus» allzu kurzschlüssig scheint, eröffnet die Verknüpfung der von Helmholtz’ «Lehre von den Tonempfindungen» ausgelösten und von der zeitgenössischen Popularästhetik aufgenommenen Physiologie der Wahrnehmung mit Brahms’ ...

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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 33
von Uwe Schweikert

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