Heute wären sie Stars
In den Zeiten, als es noch wenige große Labels gab, deren Platten den Markt inhaltlich bestimmten, musste er es schwer haben: Gianni Raimondi war zwischen New York, Wien und Mailand ein viel gefragter Sänger. Platten gemacht hat er wenige. Das lag zum einen daran, dass seine Stimme zwar (wie geübte Ohren selbst an den Piratenmitschnitten hören können) perfekten Sitz, sichere Höhe und Volumen besaß, aber nicht im eigentlichen Sinn schön war.
Zum anderen daran, dass genau diese schönere, phonogenere, aber eben auch sehr viel unzuverlässigere und schnell verbrauchte Stimme einem anderen Tenor gehörte und permanent verewigt wurde, nämlich Giuseppe di Stefano. Raimondi musste oft für den berühmteren, fast gleichaltrigen Kollegen einspringen und geriet nach dem Ende seiner langen Karriere (1980) schnell in Vergessenheit. Geboren 1923 in der Nähe von Bologna, ließ er seine Stimme unter anderem bei Ettore Campogalliani ausbilden, zu dessen Schülern später auch Pavarotti gehörte. 1947 gab er als Herzog im «Rigoletto» sein Bühnendebüt. Er sang «La traviata» an der Seite von Renata Scotto, «Lucia di Lammermoor» und vieles andere neben Maria Callas, «I puritani» mit Joan Sutherland, und er ...
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