Jenseits der Interpretation?
Das Theater neu erfinden, mindestens! Irgendwie will Clara Hinterberger alles. Und zwar hier. Und jetzt. Irgendwie will sie aber auch gar nichts. Bei ihr gibt es alles gleichzeitig, gleichwertig, neben- und durcheinander. Anspruch und Attitüde. Chuzpe und Fatalismus. Hintersinn und Hilflosigkeit. Kunst? Leben? Liebe? Hass? Tod? Alles Material. Bausteine. Schlagwörter. Gedanken, Bilder, Ereignisse flottieren frei, ohne Anfang, ohne Ende, Richtung oder Ziel. Panta rhei, alles (ver-)fließt. Im Alltag, im Netz, im Kopf, auf der Bühne.
Wenn die junge Regisseurin über ihre Arbeit spricht, ist immer wieder von «Versuchsanordnungen» die Rede, von «fragilen Realitäten» und «Labyrinthen», durch die sich der Zuschauer seinen eigenen Weg bahnen müsse. Klingt irgendwie nach Dekonstruktion, Partizipation. Aber was heißt das für die künstlerische Praxis? Zumal, wenn die «Zukunft der Oper» auf dem Spiel steht?
Die Probe aufs theoretisch aufgerüstete Extemporieren war Ende Oktober an der Deutschen Oper Berlin zu besichtigen. Genauer: drei experimentelle Anverwandlungen von «Così fan tutte». Die Ausgangsfrage der an der Kunstuniversität Graz entstandenen szenischen Entwürfe lautete: Wie lässt sich ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Albrecht Thiemann
Oscar Wildes Sottise, nur Leute, die ihre Rechnungen auch bezahlten, brauchten Geld, sieht sich nicht erst seit der Banken- und Eurokrise ad absurdum geführt. Denn die Regierungen in aller Welt fordern seit Langem stets mehr und mehr Geld, ohne ihre Rechnungen je wirklich bezahlen zu können. Wobei sie bei der Beschaffung der Mittel durchaus Loges Rat an Wotan,...
Das Verdi-Jahr hat auf dem CD-Markt wenig Neuaufnahmen gebracht, und kaum eine davon kann höchsten musikalischen Ansprüchen genügen. Das bestätigt nur die Eindrücke, die im Jubiläumsjahr auch hoch gehandelte Produktionen an den führenden Bühnen und Festspielhäusern hinterließen. Wer gegensteuern will, muss in die Vergangenheit zurückgehen und sich an ältere...
Das Gold glänzt, doch sein Glanz ist trügerisch. Hinter dem schönen Schein verbergen sich unselige Machtspiele: die Heuchelei der Kirche, die Selbstherrlichkeit des Militärs, die unzählige Opfer fordert. Damit die Fassade schön strahlt, wienern Reinigungskräfte mit Wischmob, Staubwedel und Putztuch an Tempel und Palast herum. Immer, wenn sich der Vulkantempel dreht...
