Diese Frau muss weg
«Cher Christof», «Très chère Jennie», «Salut Christof» oder einfach nur «Salut!» – auf sechs Seiten und in sieben Briefen geht das so. Die gemeinsame Annäherung ans Werk, das Fragen, das Umkreisen von Figuren, Bedeutung und Gehalt: Große, ehrwürdige Vorbilder kommen einem da in den Sinn. Der aktuelle Fall, abgedruckt im Programmheft, versammelt die Korrespondenz von Regisseur und Muse, von Christof Loy und Jennifer Larmore. Er war es, der die einstige Rossini-Mezzosopranistin zum Dramatischen anstachelte, 2012 zur Küsterin in Berlin und im selben Jahr zur Lady Macbeth in Genf.
Das Ergebnis ihres Briefwechsels allerdings, ein seltener Einblick in (Vor-)Konzeptionelles, dürfte vorerst nicht Bühnenrealität werden. Kurz vor der Premiere sagte Jennifer Larmore die Genfer «Medea» gesundheitsbedingt ab. Das, was in langen Schreiben und Proben erarbeitet wurde, musste nun binnen weniger Tage auf Alexandra Deshorties übertragen werden.
Anfängliche Enttäuschung, Hektik und Risiko, all dies spielte im Jubel dann keine Rolle mehr. Weil die Retterin aus den USA Luigi Cherubinis Gipfelpartie nicht nur «draufhat», sondern irgendwann einmal eingeatmet haben muss, auf dass sie nun mit jedem Blick, ...
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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Markus Thiel
Ein bisschen «heile Welt» will er an den Grienericksee zaubern, der Neue. «Reine Schönheit» suchen auf Schloss Rheinsberg, wo einst der junge Friedrich mit den Musen flirtete. Im Park und in dem zurückgewonnenen Theaterhäuschen des Preußenprinzen Heinrich. Seit Herbst 2014 leitet Frank Matthus die Kammeroper, jene Sommerwerkstatt für den Sängernachwuchs, die sein...
In einer Schmiede, sollte man meinen, geht es hitzig zu, stieben Funken, rinnt Schweiß. Der neue Leipziger «Siegfried» hingegen hat Mühe, auf Betriebstemperatur zu kommen. Was weniger an den seltsamen Schlingpflanzen liegt, die Bühnenbildner Carl Friedrich Oberle wuchern lässt. Sondern daran, dass der erste Aufzug nicht funktionieren kann, wenn Mime nicht zündet....
Ach ja, die gute alte Helmina von Chézy. Ihre Reputation in der Musikgeschichte ist miserabel, dank ihrer Texte gelten so hochkarätige Kompositionen wie Schuberts «Rosamunde» und Webers «Euryanthe» als ungenießbar. Eine vorsichtige Ehrenrettung der frühen Journalistin und alleinerziehenden Mutter, die zumeist als schrille Nervensäge auftrat, bot Christoph Schwandt...
