Reflektierter Slapstick
Reisen wäre eine Möglichkeit. Einfach «die Zeit genießen». Aber auf keinen Fall eine Buffa komponieren, wie am Ende dieses Stücks gewarnt wird – noch dazu nach dem «Falstaff». Friedrich Cerha hat es trotzdem gewagt fürs Münchner Gärtnerplatztheater. Eigentlich hatte der jetzt 87-Jährige von der Oper genug nach drei eigenen Bühnenwerken und der Komplettierung von Bergs «Lulu». Dass er es dennoch getan hat, lag am Lockstoff seines Librettisten Peter Wolf: Ferenc Molnárs Klipp-Klapp-Komödie «Eins, zwei, drei», die in Billy Wilders Filmversion legendär wurde.
Cerhas «Onkel Präsident», uraufgeführt im Prinzregententheater, bleibt eng an der Vorlage. Der Präsident eines Stahlkonzerns befördert hier binnen Stundenfrist einen Fahrradboten zum adligen Manager. Und das nur, weil sich der Boss um die Tochter eines Geschäftsfreundes hätte kümmern sollen – die nun den Boten heimlich geheiratet hat und von ihm ein Kind erwartet. Bei Molnár/Wilder drehen alle förmlich durch, Wolfs Libretto ist auch für viele Lacher gut. Doch Cerhas Klangkleid soll noch für eine andere Dimension sorgen. Der Österreicher möchte mehr. Nicht nur Pointen illustrieren, sondern auch problematisieren, alles einbetten in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Markus Thiel
Da steht er also im Regen, der neue Wagner von Leipzig. Die Temperaturen liegen unter 10 Grad an diesem 22. Mai. In Wagners Rücken blättert der Putz der ehemaligen Stasizentrale. Vor ihm liegen durchnässte Begonienrabatten. Rechts von ihm, am anderen Ende der kleinen Grünanlage des Goerdelerrings, hat Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, seinen Sockel....
Lateran, Forum, Kapitol: Die Schauplätze des «Rienzi» lassen sich von der römischen Oper aus erlaufen. 1969 wurde die Tribunen-Saga unter Oliviero de Fabritiis hier erstmals aufgeführt. Die zweite Inszenierung, zugleich die erste in Originalsprache, ist ein Beitrag zum Wagner-Jahr 2013. Hugo de Ana möchte Wagners Jugendwerk zu Roms «Nationaloper» machen. Ob ihm das...
Das Wagner-Jahr scheint große und kleinere Plattenfirmen in einen wahren Rausch des Recycelns früherer Publikationen versetzt zu haben, und der Sammler muss aufpassen, dass er nicht in neuem Design eine Aufnahme erwirbt, die er längst besitzt. Zwei Aufführungen, vor einem halben Jahrhundert in der Wiener Staatsoper mitgeschnitten, können allerdings als Novitäten...
