Liedkunst
Vor fünf Jahren hat der Bariton Johannes Martin Kränzle, damals noch eine regionale Größe, sein erstes Recital «Die Mitternacht zog näher schon» herausgebracht, mit dem (nur teilweise zutreffenden) Untertitel «Romantische Balladen, in dem er die Entwicklung dieses Lied-Genres von Carl Loewe bis Ferruccio Busoni dokumentierte. Schon dort überzeugten seine Textdeutlichkeit und Einfühlung in die Inhalte der Dichtungen, während die Stimme Grenzen vor allem in der tieferen Lage erkennen ließ.
Inzwischen hat Kränzle, heute ein international gefragter Sänger, sowohl an Stimmfülle wie auch an gestalterischer Intensität zugelegt.
Auch sein neues Recital «Grenzen der Menschheit» fällt durch interessante Programmgestaltung auf. Franz Schubert und Robert Schumann arbeiten sich an Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller ab. Viele Titel wie «Gruppe aus dem Tartarus» oder «An Schwager Kronos» sind allseits bekannt und zahllose Male eingespielt worden. Andere jedoch fast ganz aus dem Gedächtnis entschwunden, vielleicht nicht ganz ohne Grund: In einigen Fällen scheint es, als seien die Großmeister des Liedes den zu vertonenden Dichtungen nicht ganz gewachsen gewesen. Während in «Erlkönig» ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Ekkehard Pluta
Einer der besten Sätze von Tante Jolesch ist folgender: «Was ein Mann schöner ist als ein Aff’, ist ein Luxus». Zumindest in Österreich hat das Zitat aus Friedrich Torbergs Buch Eingang in den Sprichwortschatz gefunden. Nach diesem Maßstab gibt sich die Neuinszenierung von Puccinis «La fanciulla del West» an der Wiener Staatsoper extrem luxuriös: Jonas Kaufmann...
Der Mann ist nicht totzukriegen. Eigentlich sollte nur seine Stimme aus dem Sarg ins Diesseits hinübertönen, aber in Yona Kims «Parsifal»-Inszenierung am Staatstheater Braunschweig ist Titurel quicklebendig. Festen Schrittes folgt er seinem wundgeplagten Sohn. Er verpasst Amfortas sogar eine Ohrfeige, als der sich ziert, das Ritual der Gralsenthüllung zu...
Jubilare
Es gibt nicht viele Kulturwissenschaftler, die sich ernsthaft für das Musiktheater interessieren und etwas dazu zu sagen haben. Jens Malte Fischer gehört zu ihnen. Zunächst von 1982 bis 1989 Professor für Literaturwissenschaft in Siegen, lehrte er ab 1989 Theaterwissenschaft an der Universität München. An seinen Studien zu Wagner (insbesondere dessen...
