Mentales Nichts
Soll es ein Wald sein, dichtes Geäst, durchsetzt von Lichtpunkten? Oder doch eine Metropole aus der Vogelperspektive? Oder einfach ein Haufen Geröll? Schimmert plötzlich ein bleiches Riesengesicht hervor? Schwer zu sagen, schwer zu sehen, was da im ersten Akt hinter Mimes metallener Baukastenwerkstatt flimmert. Denken kann man sich viel, es bringt aber wenig. Denn mit Deutung haben die Videos nichts zu tun. Wie ja dieser ganze «Ring» sich zu keiner Deutung aufraffen kann.
Er bleibt beim «Siegfried», was er schon beim «Rheingold» war: ein mentales Nichts, dessen szenischer Leerlauf durch ständig im Fluss gehaltene Pixelbilder bloß verstärkt wird. Nettes 3-D-Design, auf das eine ambitionierte Hotel-Lounge stolz sein könnte. Manchmal ähnelt es aber auch nur einem Bildschirmschoner.
Mit Wagners finsterer Weltuntergangsparabel und ihrem Anspruch hat es jedenfalls nichts zu tun. Mit einem intermedialen Ansatz auch nicht. In ein paar Jahren wird man bloß noch lächeln über diese Art, die Bühne mit digitalen Mustern zu dekorieren. Was da in maßloser Selbstüberschätzung als «‹Ring› des 21. Jahrhunderts» angepriesen wird, ist schon jetzt die szenische Nullnummer des bevorstehenden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Stephan Mösch
Er habe sich von volkstümlichen, zur Laute gesungenen Liedern in einer «historischen» Bauernstube zu seiner Oper «Der Schatzgräber» inspirieren lassen, teilte Franz Schreker mit. So seltsam unecht diese Szenerie, so absonderlich mutet die Häufung der Märchenmotive im Libretto an: Da ist eine Königin, die nach der Entwendung ihres Schmucks schwermütig wird. Da ist...
Rund 36 000 Besucher kamen zu den 25 Veranstaltungen des Musikfestes 2012, meldet die Pressestelle der Berliner Festspiele. Macht im Schnitt 1400 Hörer pro Abend. 14 Klangkörper, sechs Chöre und 60 Solisten hatte Winrich Hopp zu dem zweieinhalbwöchigen Orchesterfestival eingeladen. Und es wieder einmal geschafft, alle Beteiligten für ungewöhnliche Programme zu...
Die Bibliothekarin der Bayerischen Staatsbibliothek in München hatte es ja gut gemeint. «Lustige Weiber von Windsor»? Kein Problem. Wenig später lag die Partitur vor Georg Hermansdorfer – nur leider war es diejenige von Otto Nicolai. Doch der Oberbayer hatte es auf etwas anderes abgesehen, auf die Vertonung von Carl Ditters von Dittersdorf. Die einzig erhaltene...
