Alte Liebe rostet nicht
Als Juan Diego Flórez 1996, damals 23 Jahre alt, zum ersten Mal in die Rossini-Stadt kam, konnte er gleich eine Katapultchance nutzen. Der für Partie des Corradino in «Mathilde di Shabran» vorgesehene Bruce Ford war ausgefallen, der junge Peruaner erlernte in kürzester Zeit den mit virtuosen Höchstschwierigkeiten gespickten Part. Seither ist er immer wieder zurückgekehrt, nun zur zweiten Neueinstudierung der hinreißenden und von Michele Mariotti brillant dirigierten Sturm- und Drang-Oper «La donna del lago».
Dass seine Stimme in zwanzig Jahren ihre Spannkraft nicht verloren hat, bewies er in der Arie des Schottenkönigs Giacomo alias Uberto: «La fiamma soave», in der er alle Nuancen des Verzierens und des dynamischen Kolorierens in den Dienst des Ausdrucks – einer rein musikalischen Expression – stellte.
Das mit Salven von hohen C’s ausgefochtene Duett-Duell zwischen Giacomo und Rodrigo – dem Rivalen auch auf dem Schlachtfeld der Liebe – hatte die Spannung eines Cliffhangers. Faszinierend hier die Kontraste zwischen der leuchtenden Stimme von Flórez und dem kraftvollen Baritenore von Michael Spyres. Der amerikanische Tenor erinnerte mit einer Hommage an Adolphe Nourrit an eine ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Magazin, Seite 82
von Jürgen Kesting
Gerade als Gilda ihre Seele aushauchen will, fährt in einiger Distanz ein Zug vorbei, pflügt akustisch diskret durch das Dolcissimo von «Lassù in ciel». Schlimm ist das nicht. Die klug konzipierte, die Bühne fast hermetisch umschließende Zuschauerarena legt Außengeräuschen den Finger auf die Lippen. Überdies trotzt die Chinesin Sen Guo als Gilda den gedämpft...
Frau Foster-Jenkins … darf ich Sie Florence nennen?
Nein. Sie dürfen mich Frau Foster-Jenkins nennen.
Darf ich Sie was Persönliches fragen?
Bitte.
Wie fühlt es sich an, als die mieseste Sängerin aller Zeiten zu gelten?
Das kann ich Ihnen schwerlich beantworten. Damit sollten Sie sich an jemanden wenden, der dieses Problem schon mal hatte.
Gut, lassen Sie es mich...
Das Arien-Album an sich ist im 21. Jahrhundert eine antiquierte Angelegenheit. Hinzu kommt, dass es Gefahren birgt. Ohne den szenischen Zusammenhang, das nicht mehr in dramatischem Kontext verankerte Solo drohen unter Studiobedingungen die Verstärkung vokaler Eigenarten und ein pauschaler Zugriff auf musikalische Affekte. Das wäre – ebenso pauschal – das Resümee,...
