Sehnsucht nach Schönheit
Die Geschichte spielt in ferner Vergangenheit, tief im Alten China. Doch die Themen, die in Bright Shengs «Dream of the Red Chamber» verarbeitet werden, sind jedem Operngänger vertraut. Im aktuellen Auftragswerk der San Francisco Opera – Intendant David Gockley, gerade in den Ruhestand verabschiedet, hat die Kompanie als Hort von Neuschöpfungen etabliert – geht es um die Zwänge gesellschaftlicher Kodizes und politischer Notwendigkeiten. Um die Kraft der Rituale. Um eine existenzielle Sehnsucht nach Schönheit und die romantische Liebe. Für den Westen nichts Neues.
Ungewohnt ist jedoch die Art, wie das fast ausschließlich asiatisch besetzte Team mit diesen Themen umgeht. Von Zynismus, Ironie oder anderen Brechungen keine Spur: Der taiwanesische Regisseur Stan Lai inszeniert die Oper, ohne die dem Stoff eingeschriebenen Werte in Frage zu stellen, aber mit einem umwerfenden Sinn für Poesie.
«Dream of the Red Chamber» basiert auf Cao Xueqins gleichnamigem Roman (ca. 1759), einem Schlüsselwerk der chinesischen Literatur. Der Wälzer handelt vom Niedergang der einst mächtigen Familien Wang und Jia. Auch die Liebenden Bao Yu und Dai Yu, einander für die Ewigkeit bestimmt, werden mit- und ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Simon Williams
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