Lehár: Die lustige Witwe
Natürlich bedarf es nicht eines runden Geburtstags, um Aribert Reimanns grandiosen «Lear» aufs Programm zu setzen – doch die Idee der Lindenoper, den Berliner Komponisten zum Siebzigsten mit einer Neuinszenierung seines Meisterwerks zu ehren, wäre eine schöne Geste gewesen. Dann allerdings steckte Intendant Peter Mussbach das bereits angekündigte Geschenk doch wieder weg und tauschte mit Blick auf das Einnahmesoll die Shakespeare-Vertonung gegen die «Lustige Witwe» aus.
Dem regieführenden Hausherrn gelang allerdings das Kunststück, auch Lehárs größten Hit zum Kassengift zu machen: Nach einer Premiere, die wegen fortgesetzten Wutgeheuls aus dem Saal mehrfach kurz vor dem Abbruch stand, blieb der einkalkulierte Ansturm auf die Tickets natürlich aus.
Operette, postuliert Mussbach, ist ein Taumel ohne Sinn und Verstand – und Pontevedro sowieso Absurdistan. Was von den Dialogen übrig ist, wird mit schwerer Zunge gelallt, eine nachvollziehbare Handlung findet nicht statt. Mussbach versucht nicht einmal, den Figuren Profil zu verleihen. Ersatzweise zappeln ununterbrochen Statisten über die Bühne, müssen die Choristen erst als Froschmänner, dann als Pinguine aufmarschieren.
Erich Wonder ...
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