Himmelstürmer
Bonjour Frankreich! Ein besseres Motto lässt sich für die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci kaum denken. 16 Tage und Nächte lang erinnerten zahlreiche Künstler nicht nur an den Geist einer Verständigung, für den repräsentativ der intellektuelle Diskurs von Friedrich II. und Voltaire gestanden hat, sondern machten einem interessierten Publikum noch einmal all das anschaulich, worauf sich die Kultur, aber auch das gegenwärtige Erscheinungsbild der Stadt letztlich gründet.
Einen Monopteros, wie Antoine Fontaine ihn auf die Bühne des Hans Otto Theaters zaubert, findet man auch auf dem Ruinenberg nördlich von Schloss Sanssouci, und wenn auf dessen Stufen heutzutage auch kein Pygmalion mehr verzweifelt, kann man sich Anders J. Dahlin durchaus als einen Bildhauer vorstellen, dem die eigene Schöpfung nicht mehr aus dem Kopf will. Das Haar verstrubbelt, die Beine in einer verschmierten Jeans, das Hemd knallbunt, unter dem tätowierte Arme schimmern, wirkt er in der Inszenierung von Natalie van Parys zunächst wie ein etwas zu lang geratener Schlaks, den möglicherweise ganz einfach die Sonne gestochen hat. Wie anders wäre der plötzliche Lichteinfall zu erklären, der auf einmal seine Skulptur ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Hartmut Regitz
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Elisabetta, wie sie ihr Glück mit Don Carlo erlebt. Die französische Königstochter, wie sie dieses Glück opfert. Wie sie sich angesichts der bitteren Armut im Land zur Ehe mit Carlos Vater Filippo II., dem spanischen König, bereit erklärt. Wie sie sich aus politischer, auch sozialer Verantwortung für ihr Volk ins absehbare Unglück begibt. Freudengesänge und...
«L’amore metamòrfosa l’uomo in una bestia» – «Die Liebe verwandelt den Menschen in eine Bestie»: Falstaffs Selbsterkenntnis aus dem dritten Akt könnte ein Motto für die Deutung sein, mit der sich Lukas Hemleb an Boitos und Verdis schwarzer Komödie versucht hat. Ein einziges Element steht auf Alexander Polzins Bühne: ein haushoher, erratischer Felsbrocken, dessen...
