Sinn und Sinnlichkeit
Der Applaus zu Beginn ist so intensiv, dass sofort spürbar wird: Hier kehrt einer zurück, der in bester Erinnerung ist. Kein Wunder: Während seiner Zeit als Chefdirigent der Amsterdamer Oper und des Nederlands Philharmonisch Orkest hatte Hartmut Haenchen den ersten szenischen «Ring des Nibelungen» in den Niederlanden aufgeführt – und zwar «authentisch», das heißt, er war der Erste, der die damals neue Richard-Wagner-Gesamtausgabe als Grundlage genommen hat.
Als genauer Analytiker ist er seither bekannt, als einer, der sich detailliert mit der oftmals jahrzehntelangen Geschichte von Entstehung und Umschreibung der Wagner’schen Partituren auseinandersetzt. Auch für den «Fliegenden Holländer» hat Haenchen mit sich gerungen, welche der insgesamt sieben Versionen er aufführen würde, um sich dann für die späte von 1860 zu entscheiden, hat Wagners Streichungen altmodischer Kadenzen oder seine exakten Festlegungen der Länge von Fermaten übernommen und andere, bloß pragmatische Änderungen, die der Zensur oder den räumlichen Bedingungen des Aufführungsortes geschuldet waren, weggelassen.
Dieses Ringen mit dem musikalischen Text schlägt sich bei der Aufführung produktiv nieder. Schon in der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere war sie die Arabella schlechthin: Lisa Della Casa. Keine andere Sängerin war mit dieser Partie so verschmolzen wie die «Arabellissima». Lang ist’s her. Umso erfreulicher, dass es heute für diese Rolle würdige Nachfolgerinnen gibt. Und das nicht nur im Rampenlicht von Met, Scala oder Wiener Staatsoper. Marion Ammann zum Beispiel. Die...
Filmemacher haben bislang meist versagt, wenn sie sich an der Oper versuchten. Der choreografische Blick dagegen hat immer wieder zu erstaunlichen Impulsen geführt. Bei Rameau, dessen Komödie «Les Paladins» Arila Siegert jetzt in Düsseldorf auf die Bühne brachte, gehört die Verschränkung der Medien ohnehin zur Sache selbst. In Wiesbaden profitierte Verdis...
Es ist nicht neu, dass Choreografen Oper inszenieren, aber es klappt immer besser. Christian Spuck, der bald das Ballett in Zürich übernehmen wird, war selten so locker und präzise wie bei Verdis «Falstaff». Die Palucca-Schülerin Arila Siegert setzt Rameaus Musik ganz direkt in Körpersprache um. Und Monique Wagemakers, die ebenfalls eine Tanzausbildung hat, lässt...
