Editorial

Opernwelt - Logo

Das war überfällig. Hartmut Haenchen, einer der bedeutendsten Wagner-Dirigenten ­unserer Zeit, dirigiert in Bayreuth. Dass der 73-Jährige erst jetzt und «nur» als Einspringer für Andris Nelsons zum Zuge kommt, der Ende Juni, vier Wochen vor der Festspieleröffnung, die Brocken hinwarf, spricht Bände über die Zustände hinter den Mauern des Festspielhauses.

Für den musikalisch plötzlich verwaisten «Parsifal» ist die Berufung ein Glücksfall. Haenchen kennt das Stück aus dem Effeff.

Schon als junger Kapellmeister leitete der Dresdner – gegen die Widerstände der DDR-Kulturbürokratie – eine konzertante Aufführung. Auf mehr als vier Jahrzehnte Erfahrung kann Haenchen heute zurückgreifen. Sogar im «mystischen Abgrund» hat er schon mal gesessen, als Hospitant beim Jahrhundert-«Ring» unter Pierre Boulez. Es ist eine Erfahrung, in der sich kritisches Quellenstudium, genaue Kenntnis historischer Zusammenhänge, Proben- und Aufführungspraxis verschränken (siehe auch Seite 30). «Man muss ein Orchester dazu bringen, die originalen musikalischen Ideen wiederherzustellen», forderte er im Gespräch mit dieser Zeitschrift (siehe OW 3/2013). «Meine Arbeitsweise funktioniert so, dass bei jeder ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2016
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Wiebke Roloff & Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Mit Nachdruck

Die Sopranistin Anne Schwanewilms ist vor allem durch ihre Verkörperung der großen Strauss-Partien bekannt geworden. Seit einiger Zeit widmet sie sich aber auch intensiv dem Lied. 2013 legte sie ihr erstes Lied-Recital beim Label Capriccio vor, wo jetzt eine weitere CD erschienen ist.

Im Zentrum des klug komponierten Programms stehen elf Schubert-Lieder, darunter...

Schauerstück

Diese Uraufführung versprach eine grausige Geschichtsstunde. Die Story: Eine Prostituierte, Sarah Osborne, wird für den Mord an ihrem Ehemann und den zwei Kindern gehängt, die Leiche sodann öffentlich seziert. Tatsächlich floss in Bob McGraths Inszenierung von David Langs «Anatomy Theater» reichlich Kunstblut. Vor allem aber punktete die Los Angeles Opera im...

Zur Kenntlichkeit verfremdet?

Angesichts des brandgefährlichen «patriotischen Frühlings», den Europas Rechtsaußen gerade feiern, denken wir an den Dichterfürsten. «Der Patriotismus», so Goethe, «verdirbt die Geschichte.» Verschließt die Augen. Verstopft die Ohren. Und Oscar Wilde formulierte, «patriotism is the virtue of the vicious», Patriotismus sei die Tugend der Bösartigen. Freilich, wenn...