Die verkaufte Braut

Nervensängerinnen, Prachtprimadonnen: Donizettis «Lucia di Lammermoor» in Freiburg und Saarbrücken

Opernwelt - Logo

Wenigstens auf den Wettbewerb würden Freiburg und Saarbrücken gewiss liebend gern verzichten – den Wettbewerb nämlich, welches der beiden Häuser dem unwürdigeren Spardruck ausgesetzt ist. Als Gaetano Donizettis «Lucia di Lammermoor» dort im Zwei-Wochen-Abstand Premiere hatte, schien das Saarländische Staatstheater vorn zu liegen. Beeindruckend, wie sich der Widerstand an der Saar zu formieren begann und jede Beifallsäußerung auch zu einer Demonst­ration der Verbundenheit wurde.

Und beeindruckend auch, mit welcher Kraft an beiden Bühnen trotz der lähmenden Belastung Kunst hervorgebracht wird. Es sind Aufführungen, die den einst pejorativen Begriff der Provinz zum Adelsprädikat erheben – und das bei einem Werk, das nun wirklich jeder Opernmensch von legendendären Stimmen im Ohr hat und das an beiden Häusern obendrein aus dem Ensemble besetzt werden konnte.
Eine «Lucia»-Konkurrenz, die hier wie dort nicht auf dem so genannten Regietheater fußt. In Freiburg inszenierte mit Roland Schwab ein Gast, in Saarbrücken der Operndirektor und Chefdramaturg Matthias Kaiser. Seine Lesart siedelt insgesamt näher am gewohnten Erscheinungsbild von Donizettis Singtragödie – schottische Düs­ternis, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2005
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Heinz W. Koch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zustände ihres Willens

Eigentlich ist es immer schade, wenn solch grandiose Musik ungehört bleibt. Wenn der magische Moment zwischen Kerker und dem Schlussakt der Freiheit ohne dieses rhapsodische Phantasiestück, das Ernst Bloch als eine utopische Erinnerung, eine Legende der erfüllten Hoffnung bezeichnete, auskommen muss; wenn Mahlers Eingebung, die Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 in C-Dur in...

Wiedergeburt in Ljubljana

Wer kennt sie nicht, die Barcarole aus Jacques Offenbachs Oper «Hoffmanns Erzählungen»? Eigentlich entstammt sie der Ouvertüre der siebzehn Jahre zuvor entstandenen, für Wien komponierten, dort auch erfolgreich uraufgeführten Oper «Les Fées du Rhin», deren deutscher Titel etwas irreführend «Die Rheinnixen» heißt. Denn um Nixen im Sinne von Undinen geht es in dem...

Der verlorene Sohn

Von Antonín Dvoˇráks zehn Opern hat es mit «Rusalka» gerade mal eine ins internationale Repertoire geschafft. «Jakobín» («Der Jakobiner») dagegen blieb schon wegen seines ausgeprägt folkloristisch und parodis­tisch überwölbten ernsten Sujets ein Außenseiter, der auch den Komponisten dramaturgisch nicht überzeugte – weshalb Dvoˇrák Jahre nach der Uraufführung (1889)...