Wiege der Weltmusik

Barrie Koskys Monteverdi-Trilogie in der neuen Instrumentierung von Elena Kats-Chernin an der Komischen Oper Berlin

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Multikulti war gestern. Ganztätige Performances, Sex auf der Bühne und der Berliner Tuntenball auch. Dennoch knüpft Barrie Kosky mit seinem gigantomanischen Monteverdi-Hattrick zum Auftakt seiner Ära an der Komischen Oper an alte Entgrenzungs- und Befreiungsrituale des Theaters an. Sie fordern vor allem eines: Sitzfleisch. Strammsitzen für eine neue Zeit.

Zwölf Stunden Theater, das bedeutet netto: neun Stunden musikalischer Monteverdi-Stadl voll bocksbeinig schwuler Cheerleader-Gymnastik, Schluckauf-Verzierungen und kreischbunter Bilder.

Ein «Tropical Island»-Vergnügungspark der wuchernden Schlingpflanzen und Dolly-Buster-Boops-Bäume macht den Anfang. Der «Orfeo»-Mythos, er spielt im Paradiesgarten der Oper – als floraler Sommernachtstraum. Nackerte Adams und barbusige Evas tauchen im Tümpel ein, der später als Acheron zum Trennwasser für Eurydike wird. «Odysseus» sodann dampft als Kammerspiel aufs Kleinkarree eines Minigolf-Rasens an der Rampe ein. «Poppea» schließlich: ein römischer Dallas-Verschnitt. Alles ebenso abwechslungsreich wie «koskyesk».

Als dicker Engel hält der Amor-Darsteller Peter Renz alle drei Opern kongenial zusammen. Mal in Stützstrümpfen und Hängerchen, mal als ...

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Opernwelt November 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Kai Luehrs-Kaiser

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