Wiege der Weltmusik
Multikulti war gestern. Ganztätige Performances, Sex auf der Bühne und der Berliner Tuntenball auch. Dennoch knüpft Barrie Kosky mit seinem gigantomanischen Monteverdi-Hattrick zum Auftakt seiner Ära an der Komischen Oper an alte Entgrenzungs- und Befreiungsrituale des Theaters an. Sie fordern vor allem eines: Sitzfleisch. Strammsitzen für eine neue Zeit.
Zwölf Stunden Theater, das bedeutet netto: neun Stunden musikalischer Monteverdi-Stadl voll bocksbeinig schwuler Cheerleader-Gymnastik, Schluckauf-Verzierungen und kreischbunter Bilder.
Ein «Tropical Island»-Vergnügungspark der wuchernden Schlingpflanzen und Dolly-Buster-Boops-Bäume macht den Anfang. Der «Orfeo»-Mythos, er spielt im Paradiesgarten der Oper – als floraler Sommernachtstraum. Nackerte Adams und barbusige Evas tauchen im Tümpel ein, der später als Acheron zum Trennwasser für Eurydike wird. «Odysseus» sodann dampft als Kammerspiel aufs Kleinkarree eines Minigolf-Rasens an der Rampe ein. «Poppea» schließlich: ein römischer Dallas-Verschnitt. Alles ebenso abwechslungsreich wie «koskyesk».
Als dicker Engel hält der Amor-Darsteller Peter Renz alle drei Opern kongenial zusammen. Mal in Stützstrümpfen und Hängerchen, mal als ...
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Opernwelt November 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Kai Luehrs-Kaiser
Wenn die Wirtschaft strauchelt und die Touristen wegbleiben, müssen sich Kulturschaffende, zumal in einer nicht gerade als kunstsinnig geltenden Nation wie Australien, umso stärker um Geldgeber bemühen und umso engagierter um ihr Publikum werben. So ist in den Opernhäusern die Zahl der Besucher zurückgegangen, besonders in Sydney, wo man aufgrund einer...
Es sei eben wie das sprichwörtliche Baumpflanzen, sagt Lachenmann im Publikumsgespräch vor der Aufführung. Etwas, das man wenigstens einmal gemacht haben will: «einmal im Leben eine Oper schreiben». Mündlich verwendet er den traditionsbelasteten Begriff «Oper» ganz unbefangen, sein «Mädchen mit den Schwefelhölzern» trägt allerdings den Untertitel «Musik mit...
Manchmal enden Irrfahrten glücklich, wie jetzt für Giuseppe Antonio Brescianellos Oper «La Tisbe», die nach 294 Jahren ihre posthume Uraufführung erlebte. Brescianello gehört zu den zahllosen Italienern, die im 18. Jahrhundert an deutschen Fürstenhöfen engagiert waren. Der wohl aus Bologna stammende Geiger trat 1716 in den Dienst des württembergischen Herzogs...
