Klamme Gefühle

Weinberg: Der Idiot Oldenburg / Staatstheater

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Sie sind schon da, als die Pauke und drei Dissonanzen den Reigen folgenschwerer Missverständnisse eröffnen. Rogoschin, der Dandy. Nastassja, die Umschwärmte. Lebedjew, der Strippenzieher. Und die anderen traurigen Gestalten, die in einem schäbigen Salon fröstelnd darauf warten, dass endlich was passiert. Dass jemand eintritt und die Starre löst, die auf den ausgebleichten Tapeten und in den leeren Herzen liegt. Noch wissen wir nicht, wer da die Zeit totschlägt. So wenig wie der Fremde, der schließlich an die Türe klopft.



Kein nobler Herr, ein mausgrauer Jedermann ist Fürst Myschkin für die Regisseurin Andrea Schwalbach. Ein Biedermann mit Bauchansatz unter dem Pullunder, der eher unfreiwillig zum Flaneur in diesem Biotop verdeckt brodelnder Gefühle wird. Auf mehr als 900 Seiten hat Dostojewski in seinem 1868/69 veröffentlichten Roman «Der Idiot» die Stimmung der russischen Gesellschaft seiner Zeit seziert. Der polnisch-russische Komponist Mieczyslaw Weinberg, jener «stille Revolutionär» aus Warschau, der in der Sowjetunion Zuflucht vor den Nazis fand, von Stalin bedrängt, von Schostakowitsch gefördert, sollte die «dunkle Glut» des Stoffes in seinem letzten, 1986/87 entstandenen ...

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Opernwelt März 2015
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Albrecht Thiemann

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