Wo die wilden Kerle wohnen

Verdi: I masnadieri Weimar / Deutsches Nationaltheater

Opernwelt - Logo

Wälder, Felder, Schlösser, Burgen, ein Bus Richtung «Buchenwald»: Mit der Ouvertüre zu Verdis «I masnadieri» nach Schillers Erstlingsdrama «Die Räuber» hebt eine sentimental-ironische Dia-Show thüringischer Heimatbilder an. Zum elegischen Cello-Solo, über eine verschneite Feldlandschaft projiziert, folgt sodann die Prämisse des Weimarer Theaterabends: Man habe Mitglieder der rechts- und linksradikalen Szene im Land nach ihren Ansichten, Ängsten und Hoffnungen befragt.

Volker Löschs Inszenierung kommt zunächst als Dokumentarfilm daher, dessen Vorspann über eine vor die Bühne gespannte Leinwand flimmert. Die Musik ist Soundtrack.

Mit Beginn der Handlung erfolgt ein Medienwechsel: Die Leinwand hebt sich, nun hängen statt klassischer Übertitel riesige Sprechblasen in den Raum, in denen vornehmlich Ausschnitte der im Vorspann erwähnten Gespräche erscheinen. Die Oper wird zum Comic-Strip, dessen einzelne Bilder durch Blacks scharf voneinander abgesetzt sind. Zwischen den Nummern, wieder auf großer Leinwand eingeschoben, schlagen Zusammenfassungen des Geschehens inhaltliche Brücken vom Libretto zur neuerfundenen Dokumontage: Da sehnt sich Karl Moor nach dem starken Führer und trauert der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2015
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Katharina Duda

Weitere Beiträge
Lob der Hausmusik

Sucht man nach einer Art Gegenentwurf zu den vor allem in den Neunzigerjahren medial in Szene gesetzten Arena-Veranstaltungen der «Drei Tenöre», so dürfte man einen solchen, subtil ins Hausmusikalische gewendeten Kontrapunkt in der neuen Aufnahme mit Christoph und Julian Prégardien finden. Vater und Sohn gestalten, begleitet von dem stets inspirierten Pianisten...

Lust auf Exotik

Kaum ein Monat vergeht, ohne dass uns das in Venedig ansässige Centre de Musique Romantique Française mit neuen Funden überrascht. Die jüngsten Opernausgrabungen aus dem Palazzetto Bru Zane: «La Caravane du Caire» von André-Ernest-Modeste Grétry (1741-1813), «Renaud» von Antonio Sacchini (1730-1786) und «Les Bayadères» von Charles-Simon Catel (1773-1830). Die Werke...

Poesie auf Sägespänen

Eine vollkommen widersinnige Sache sei dies, hat Nikolaus Harnoncourt einmal ironisch gezürnt. Dass sich der Flughafen mit dem Zusatz «W. A. Mozart» schmücke, sei Salzburg, das seinen größten Sohn per Fußtritt aus der Stadt beförderte, nun wirklich nicht erlaubt. Immerhin: Es gibt noch andere Imageträger, und die können schmerzhaft zurücktreten. Ob die Schwemme am...