Nichts für Besserwessis
Geschlossen wurde der Pakt, als es auf der Krim noch ruhig war. Als sich die Künstler im politikfreien Raum aalen durften und nicht – ob Gergiev oder Netrebko – mit der einen Frage konfrontiert wurden: Wie hältst du’s mit dem neuen Zar? Auch das ist also eine ungewohnte Rolle fürs Theater Regensburg. Nicht nur Schauplatz sein für eine spektakuläre Uraufführung, sondern auch Auftraggeber für einen Übeltäter – so empfanden es jedenfalls einige.
Anton Lubchenko, Jahrgang 1985, ist in Russland eine Art Staatskomponist.
Valery Gergiev, von dem er sich als Dirigent die Flattergestik abgeschaut hat, fördert ihn nach Kräften. Inzwischen ist er Künstlerischer Leiter des mit üppigen Zuschüssen errichteten Opernhauses in Wladiwostok und schrieb Werke wie die Symphonie «Orthodoxes Russland», eine Kantate über das heute weißrussische Brest und ein Opus über die Geiselnahme im ossetischen Beslan, die in einem Massaker endete.
Mit voller Absicht maskiert sich Lubchenko als Schostakowitsch, Prokofjew, Puccini oder Chatschaturjan, auch in seinem «Doktor Schiwago». Ein Personalstil ist nicht erkennbar. Die zweieinhalb Regensburger Stunden sind zweierlei: eine Dauer-Begegnung mit guten alten ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Markus Thiel
In einem im Programmheft abgedruckten aufschlussreichen Gespräch legt Brigitte Fassbaender ihr Credo in Sachen Opernregie dar: «Das Wichtigste auf der Bühne sind und bleiben die Sänger, die Menschendarsteller», heißt es da, und «wenn ein Regisseur, der Oper macht, keine Noten lesen kann und aus dem CD-Booklet inszeniert, verstehe ich das nicht, denn die erste...
Gewünscht hat sich Richard Strauss für die Uraufführung seiner «Vier letzten Lieder» die Sopranistin Kirsten Flagstad. Er wird an deren Glanzzeit gedacht haben. Als die Lieder in London uraufgeführt wurden, war Strauss tot und die Flagstad längst über ihrem Zenit. In Berlin musste sie, wenig später, sogar das erste, höchste weglassen. Plattenaufnahmen von Elisabeth...
Zunächst einmal: Diese «Lucia» ist so vollständig wie möglich. Kirill Petrenko lässt sich von keiner sogenannten Tradition irritieren, die mit dem Notentext so leichtfertig umspringt, als hätte Donizetti dramaturgische Nachhilfe nötig. Striche gibt es also nicht. Das Stück wird dadurch klarer und wirkt – trotz der längeren Spieldauer – kürzer als bei vielen...
