Spiel mit dem Spiel
Im Orchestergraben lachen die Dämonen. Zur dissonanten Fratze entstellt die Streichermotive im Anapäst-Rhythmus; ein zynisch zischender Klang, gespickt mit jähzornigen Akzenten. Und mitten in die plötzliche Stille stammelt Annabella eine atonale Melodie: «Unser Kind, die Ausgeburt des Teufels.» Wahnsinn!
So faszinierend es Anno Schreier im fünften und letzten Akt gelingt, den Neutöner-Wahnsinn keimen, sprießen und wüten zu lassen, so überzeugend wechseln in den vier Akten zuvor Belcanto-Liebesschmelz und Verdi-Dramatik, Schlager und impressionistisches Schwärmen ab.
Fast jeder Sound, jede Szene, scheint einem irgendwoher bekannt vorzukommen. Und so ist es auch gedacht.
Eine Oper über die Oper wollten Anno Schreier und Librettistin Kerstin Maria Pöhler schreiben. Dazu haben sie mit «Schade, dass sie eine Hure war» ein 400 Jahre altes Theaterstück des Shakespeare-Zeitgenossen John Ford ausgegraben, das ihrer Ansicht nach alles enthält, was ein guter Opernstoff braucht: skandalöse Liebe, Intrigen, deftige Rollen(-klischees) und Extremismus. Im Zentrum steht die inzestuöse Liebe zwischen Giovanni und Annabella, umsponnen von einem Netzwerk macht- und liebeshungriger ...
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Thilo Braun
Im vergangenen Jahr war bei den Salzburger Festspielen Gottfried von Einems Oper «Der Prozess» wiederzuhören, ein textlastiges Stück, bei dem die Gesangsstimmen als Dauerrezitativ im Korsett eines symphonisch geführten Orchesters hängen. Wenn nun auf der anderen Salzachseite im Landestheater die englischsprachige Version desselben Stoffs in der Vertonung von...
In Verdis Entwicklung nimmt die Vertonung von Shakespeares «Macbeth» eine Schlüsselstellung ein. Mit ihr stellte er 1847 zum ersten Mal die überkommene Form des italienischen Melodramma infrage und versuchte «die Musik mit dem Drama zu verschmelzen». Eine Oper ohne Liebeshandlung mit nur zwei Hauptdarstellern und dem Chor im Zentrum war für die italienische Bühne...
Der Name klingt nicht nach Afrika. César Francks «Hulda» spielt im frühmittelalterlichen Norwegen, zur Zeit der kriegerischen Sippen. Der belgisch-französische Komponist hatte für sein Opernprojekt das erfolgreiche Drama «Halte-Hulda» des späteren Literatur-Nobelpreisträgers Bjørnstjerne Bjørnson ausgewählt. Mit der Psychologie der Vorlage vermochte das Libretto...
