Dramatische Energie
Karajan gründete einst die Salzburger Osterfestspiele, um hier sein eigenes Bayreuth zu etablieren: Der «Ring» war die erste Tat. Zur Konkurrenz für den Grünen Hügel avancierte sein Wagner-Unternehmen gleichwohl nicht. Eher könnte man jetzt den Grünen Hügel im tirolerischen Erl zwar nicht zur existenziellen, aber doch zur atmosphärischen Konkurrenz erheben. Auf einer Anhöhe liegt das Festspielhaus, das weiße Passionsspielhaus, Natur rundherum. Spärliche Bühnentechnik wird durch Fantasie ersetzt.
Dirigent Gustav Kuhn verwirklicht hier sein eigenes Klein-Bayreuth, das so klein wiederum nicht ist: Wer, wie im Vorjahr, den «Ring des Nibelungen» in einem Vorabend («Rheingold») und dann in einem Vierundzwanzigstundenrutsch bewältigt, muss schon hochprofessionell agieren. Das Ergebnis konnte sich sehen und vor allem hören lassen. Und das Erler Wagner-Publikum genoss die Parforce-Tour mit großer Begeisterung.
In diesem Sommer also «Tristan und Isolde» und der «Parsifal». In beiden Fällen der vertraute Anblick: Auf der Mini-Bühne des Passionsspielhauses dominiert wieder auf hochgestuften Podien optisch das Festspielorchester, ein schönes Bild hinter transparenten Schleiern. Den Stamm des ...
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