Schlamm zu Schlamm
Als ob es eine tief strömende, die Richtung ändernde Bewegung gäbe, vertrauen Komponisten wie Michael Wertmüller, Toshio Hosokawa, Miroslav Srnka, Johannes Kalitzke in jüngster Zeit wieder der Narration in ihrem Musiktheater, nennen es gattungsgerecht Oper. Auch Hans Thomallas neues Werk «Kaspar Hauser», eine «Oper in drei Akten», schreibt und schreitet einen Weg von A nach Z aus, von der Erscheinung der Titelfigur, einer Art Geburt, bis zu ihrem Tod.
Ein Mensch wird auf die Erde geworfen, erhebt sich, schaut sich um in einer fremden Gesellschaft und stirbt an seinen (ihren?) Wunden mit dem Gesicht zur ewigen Erde. Das ist natürlich nur die Fabel. Das Sujet (im Sinne des russischen Strukturalismus) ist von der Musik bestimmt. Mehr noch: Das Fabelwesen, der Findling Kaspar Hauser, wird von der Gesellschaft und ihrer Artikulation in und durch Musik determiniert, er selbst verwandelt sich in Tönen – Körper wird Musik, Musik wird Körper.
Das ist ein ganz wesentlicher Aspekt der Thomalla’schen Ästhetik, die in seinem ersten Bühnenwerk, der 2011 in Stuttgart herausgekommenen Medea-Oper «Fremd», deutlich wurde: die Doppelstrategie von Musik als Erzählung und Musik als Reflexion ihrer ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Götz Thieme
Die Trümmer der nächtlichen Prügelei liegen noch auf der Festwiese herum und müssen von den arg blessierten Meistern erst diskret beiseitegeräumt werden, bevor der Sängerwettstreit beginnen kann. Alle sind damit beschäftigt, die Verbände, die Pflaster und blaue Flecken zu verbergen – bis sie merken, dass die Kollegen so ramponiert sind wie sie selbst. Und wieder...
Wenn sich im Theater an der Wien der Vorhang hebt, sehen wir eine Bühnenbox mit breiter Treppe, je nach Beleuchtung wie aus Beton oder aus friedhofsaffinem Marmor. Darauf drei zum Teil ramponierte Tasteninstrumente, ein grüner Gedenkkranz, Kerzen und zahlreiche Hingeschiedene, blutverschmiert und bleich. Wobei Letztere sich später, ars gratia artis, als Untote und...
JUBILARE
1926 in Melbourne geboren, schloss Denis Vaughan 1947 an der Universität seiner Heimatstadt ein Musikstudium ab und setzte seine Ausbildung mithilfe eines Stipendiums am Royal College of Music in England fort, wo er Orgel und Kontrabass studierte. 1950 trat er dem Royal Philharmonic Orchestra unter Thomas Beecham bei, bevor er zum Assistant Conductor und...
