Die Hoffnung stirbt zuletzt
Wenn sich im Theater an der Wien der Vorhang hebt, sehen wir eine Bühnenbox mit breiter Treppe, je nach Beleuchtung wie aus Beton oder aus friedhofsaffinem Marmor. Darauf drei zum Teil ramponierte Tasteninstrumente, ein grüner Gedenkkranz, Kerzen und zahlreiche Hingeschiedene, blutverschmiert und bleich. Wobei Letztere sich später, ars gratia artis, als Untote und Wiedergänger gerieren. Sartres «Huis clos» ist nahe, aber auch «Night of the Living Dead». Doch davon später.
Zunächst folgen wir Bertrand de Billy und den Wiener Symphonikern beim Zelebrieren des Vorspiels, das im Kontrast zum Bühnendekor ein nostalgisches Rokoko beschwört. Zierlich und elegisch, zugleich mit reifer Süße kommt das berühmte Sextett daher, ein ZuckerWatteau gewissermaßen, was uns unwillkürlich an Marie Antoinette denken lässt. Wird der Gattin Louis’ XVI. doch nachgesagt, auf den Hinweis, die Armen hätten kein Brot, entgegnet zu haben, «dann sollen sie eben Kuchen essen». Ob wirklich sie dies sagte, ist zweifelhaft; auf jeden Fall aber spiegelt das Zitat jene zynische Realitätsflucht des Ancien Régime, die auch Marie Antoinette schließlich den Kopf kostete. Mit seinem im Rokoko angesiedelten, 1942 ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Gerhard Persché
Mit seinen 27 überlieferten Partituren ist der Venezianer Francesco Cavalli der Operngroßmeister zwischen Monteverdi und Alessandro Scarlatti. Richtig heimisch geworden auf der modernen Bühne ist er seit seiner Wiederentdeckung in den 1960er-Jahren dennoch nicht. Dabei erweist jede Begegnung mit einer seiner Opern, dass sie hinter dem «Ulisse» und der «Poppea»...
Wiesbadens Theater, exemplarische Fellner & Helmer-Neorenaissance (1894), und die von Wilhelm II. 1896 in seiner Sommerfrische lancierten Maifestspiele zeugten von Belle Epoque-Nostalgie. Diesmal freilich wiesen die Zeichen gleich doppelt nach vorn: Auf Zimmermanns epochale «Soldaten» (siehe Seite 18) folgte die Uraufführung von Helmut Oehrings «Agota?» mit der...
Als der Krebs ihn immer heftiger beherrschte, schrieb Claude Debussy: «Ich war dabei – oder fast dabei – ‹La Chute de la Maison Usher› zu vollenden: Die Krankheit hat meine Hoffnung ausgelöscht […] Ich finde mich schwer mit dieser Wendung meines Schicksals ab.» Auf der anderen Seite meinte er aber auch, diese Oper sei nur eine «Neuauflage des ‹Pelléas›» – mit einer...
