Heiter, leicht, geradeheraus
Die Trümmer der nächtlichen Prügelei liegen noch auf der Festwiese herum und müssen von den arg blessierten Meistern erst diskret beiseitegeräumt werden, bevor der Sängerwettstreit beginnen kann. Alle sind damit beschäftigt, die Verbände, die Pflaster und blaue Flecken zu verbergen – bis sie merken, dass die Kollegen so ramponiert sind wie sie selbst. Und wieder lacht das Publikum in der Oper Chemnitz, über den (nicht immer subtilen) Humor Richard Wagners und des Regisseurs Michael Heinicke.
Überhaupt herrscht viel Heiterkeit im Saal über diese vorbildlich textverständliche Aufführung Mitte April.
Heinicke verlegt das Stück über (deutsche) Leitkultur und künstlerische Innovation in ein Museum des 19. Jahrhunderts. Wagner und seine Zeitgenossen träumen sich in ein Fantasie-Mittelalter zurück, in dem es nicht besonders idyllisch zugeht. In der Rotunde des Bühnenbildners Peter Sykora werden die Figuren der alten Geschichte nachts lebendig, spielen das Geschehen nach. Dabei fokussiert die Regie weniger auf die gesellschaftlichen Spannungen zwischen Adel und Bürgertum als auf die Dialektik von Anziehung und Abstoßung zwischen dem alternden Hans Sachs und der jungen Eva Pogner. Und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Magazin, Seite 81
von Uwe Friedrich
Das Kammerduett. Es war die Form, die ihm vielleicht am besten lag. Zwei Stimmen plus Cembalo, Laute(n) und Gambe – das reichte, um in so zuvor noch nicht gemischten Farben auszudrücken, was er in sich hörte. Agostino Steffani, 1654 im Veneto geboren, schöpfte vor allem aus Quellen des 17. Jahrhunderts, doch die fand er nicht nur in Italien, sondern auch in...
Wer heute im Reich der Toleranz wandelt, dürfte eher Schattengestalten begegnen, wogegen im Land der irrationalen Wut gegenüber Anders-Denkenden/Gläubigen heilloses Gedränge zu herrschen scheint. Wie nähert man sich unter solchen Vorzeichen den Idealen der Aufklärung? Wie zeichnet man Selim, den Pascha, der weise ist wie Lessings Nathan und im Vergeben großherzig?...
Die Thesen des amerikanischen Politologen Samuel Huntington vom «Clash of Civilizations», dem eskalierenden Konflikt zwischen dem «Westen» und der islamischen Welt, sind zwar nach den Pariser und Brüsseler Anschlägen kaum hinfällig geworden, bleiben aber in ihrer pauschalen Polarität wenig produktiv. Gleichwohl verschärfen sich weltweit die Gegensätze zwischen...
