Im Labyrinth der Gefühle
Von einem «Labyrinth der Gefühle» ist die Rede im Programmheft zu «Turandot», der letzten Opernproduktion des Pfalztheaters in der ausgelaufenen Spielzeit. Eine Deutung, die vermutlich auch als Schlüsselgedanke zu Urs Häberlis Inszenierung des Werks oder zumindest zu Thomas Dörflers Bühnenbild verstanden werden darf. Dessen Hauptelement bildet eine abstrakte Darstellung von Pekings Stadtmauer, die sich auf dem Bühnenboden fortsetzt, dort ein kompliziert verzweigtes Labyrinth formend: Chiffre für Turandots Rätsel, die Irrwege der Gefühle und Verblendungen der Liebe.
Eine aussagestarke Szenerie von atmosphärischer Dichte, in der Häberli die blutige Handlung um die eiskalte männermordende Prinzessin und den Kampf der Geschlechter (auf variablen Spielebenen) überaus dynamisch und spannungsvoll entfaltete. Wobei sein Arrangement besonders durch Bilderreichtum und suggestive Beleuchtungswirkungen beeindruckte. Allerdings gelang es dem Regisseur nicht immer, unfreiwillige Situationskomik zu vermeiden, so etwa bei den mit weißen Tüchern wedelnden Calaf-Fans und dem Auftritt der drei als Metzger kostümierten Minister in Turandots Leichenkeller (oder Gruselkammer mit abgeschlagenen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Zu seinen Lebzeiten war das Teatro La Fenice Richard Strauss sehr zugetan. Man spielte schon kurz nach den Uraufführungen «Die Frau ohne Schatten», «Elektra», «Salome» und «Rosenkavalier». Das ganze 20. Jahrhundert über war Strauss’ Musik in Venedig präsent wie das Werk keines anderen deutschen Komponisten – ausgenommen die Opern Richard Wagners. In dieser...
H(einz) K(arl) Gruber, der arrivierteste Unterhaltungskünstler unter Österreichs Komponisten, mit einer Oper nach einem Text von H. C. Artmann, dem Sprachvirtuosen par excellence – eigentlich eine exquisite Konstellation! Grubers Komponieren entzieht sich der Einordnung. Anleihen beim Jazz, Chansons oder avantgardistische Geräuscheskapaden, mal in simpler Melodik,...
Frau Munitz, «A Journey to the End of the Millennium», das von Ihnen initiierte Auftragswerk zum zwanzigjährigen Bestehen der Israeli Opera, bezieht seinen dramatischen Impetus aus unterschiedlichen kulturell-religiösen Haltungen abend- und morgendländischer Juden, Ashkenasen und Sepharden, einem der grundlegenden Konflikte des Judentums.
Nicht nur der Konflikt,...
