Ästhetizismus und Vitalität
Sichere Sache – so mag sich sagen, wer an Robert Carsen denkt. Dass es damit etwas auf sich hat, erweist der Beginn von Claudio Monteverdis «Orfeo», für dessen Inszenierung der kanadische Regisseur an die Oper Lausanne zurückgekehrt ist: an jenes Haus, an dem er vor drei Jahrzehnten seine erste Produktion im Musiktheater herausgebracht hat.
Weit offen hält Radu Boruzescu die Bühne, der Boden ist mit Blütenblättern in Rot-, Gelb- und Grüntönen bedeckt, in der gleichen Farbskala sind die sommerlichen Kostüme gehalten, die Petra Reinhardt für die fröhlich tanzende Gruppe junger Leute entworfen hat. Unter ihnen mit Orpheus und Eurydike das junge Paar, dessen Liebe noch scheu wirkt. Das ist jener Ästhetizismus, der jedem Verächter des Regietheaters Labsal schafft.
Doch dann nimmt das tragische Schicksal seinen Lauf, verdüstert sich das Bild (großartig, wie virtuos Carsen hier Gegen- und Seitenlicht einsetzt), verkündet Josè Maria Lo Monaco als eine ausstrahlungsmächtige, stimmlich souveräne Botin den Tod Eurydikes. Hier treten in die schönen Bilder Carsens die scharf gezeichneten Charaktere, die diesem Regisseur immer wieder gelingen, selbst im Umfeld eines eben nur scheinbar fernen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2016
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Peter Hagmann
Mit 37 Jahren kommt ein Festival langsam in die Jahre, aber dem Rossini Opera Festival gelingt es immer wieder, sich neu zu erfinden. Und das bei schrumpfenden Finanzen (das Budget heute: fünf Millionen Euro; vor wenigen Jahren waren es noch sieben Millionen). Die Bilanzen stimmen trotzdem in Pesaro. Hier treten auch gefragte Solisten für geringe Gagen auf – weil...
«Manon» sei keine rührselige Geschichte, da gehe es hart zur Sache, gerade was die Sexualität betreffe. Der das sagt, ist der Regisseur Olivier Py, und er beruft sich dabei auf die Vorlage zu Jules Massenets Oper, auf den Roman des Abbé Antoine-François Prévost von 1731. Entsprechend deftig erscheint «Manon» in der Produktion, die das Genfer Grand Théâtre in seinem...
Seit David Pountney die durch einen Roman der polnischen Auschwitz-Überlebenden Zofia Posmysz inspirierte «Passagierin» 2010 bei den Bregenzer Festspielen auf die Bühne brachte, hat das Werk des Komponisten Mieczyslaw Weinberg eine erstaunliche Renaissance erfahren. Die Bregenzer Produktion war u. a. in Warschau und New York zu sehen, die Oper Frankfurt und das...
