Nachtgedanken, Abschiedsstimmungen
«Die deutsche Sopranistin Anne Schwanewilms zählt zu den größten Strauss- und Wagner-Interpretinnen der heutigen Zeit» – so tönt es nicht nur im Booklet des «Orfeo»-Recitals, das die «Vier letzten Lieder» von Strauss mit Auszügen aus einigen seiner Opern verbindet, sondern auch auf der Home-page der Sängerin. Solche Superlative gehören heute zum Musik-Business, aber man fragt sich unwillkürlich: «Hat sie das nötig?». Anne Schwanewilms bietet interpretatorisch keine wesentlich neuen Einsichten.
Ihre organisch entwickelte leuchtende Höhe ist eine Freude, aber der Gestaltung fehlt das Eigene, Unverwechselbare. Auch gelingt es der Sängerin kaum, die vertonten Texte (immerhin Dichtungen von Eichendorff, Hesse und Hofmannsthal) gegenüber dem klangschwelgerischen Komponisten ins Recht zu setzen. Wobei Markus Stenz und das Gürzenich-Orchester die Schwelgerei weitgehend ausblenden, vielleicht aus Angst vor Kitsch. So klingt alles etwas trocken und schwerfällig.
Sympathischer berührt das Album der jungen niederländischen Mezzosopranistin Christianne Stotijn, «Stimme der Sehnsucht», das bei Onyx herausgekommen ist, weil es sich hier nicht um eines der zahlreichen «best-of»-Programme handelt, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Medien, Seite 35
von Ekkehard Pluta
«No, non voglio morire! Amore... aita!», schluchzt Manon. Der elegante Herr, den sie um Hilfe anfleht, zeigt sich zwar tief bewegt, aber letztlich unerbittlich: Der Bühnentod muss eingehalten werden. Der Abweisende ist nämlich Puccini selbst (in Gestalt von János Mischuretz), schon vorher stets präsent, Zigarette im Mundwinkel, Gehrock, Melone. Und Manons Sterben...
Eigentlich kann sich die römische Geschichte nicht über Mangel an Sadisten, Blutschändern, Usurpatoren und sonstigen Feinden christlicher Moral und neuzeitlicher Herrschertugenden beklagen. Dennoch hatten schon im frühen 18. Jahrhundert bestimmte Namen der antiken Chronique scandaleuse mehr Sensationswert als andere. Und als im Dezember 1709 im Teatro San Giovanni...
Der Plan war ehrgeizig, und alle Beteiligten haben ihn ernst genommen. Trotzdem konnte er nicht funktionieren. Immerhin: Das Scheitern ist legendär. Jetzt lässt sich genauer als je zuvor nachverfolgen, was im Januar 1966 in einem überheizten Aufnahmestudio in New York passiert ist. An drei Tagen sollten Elisabeth Schwarzkopf und Glenn Gould Lieder von Richard...
