Ohne Sentimentalität
Christian Gerhaher hat in Kanada mit Kent Nagano und dem Orchestre symphonique de Montréal die «Lieder eines fahrenden Gesellen» erstmals in der Orchesterfassung eingespielt, außerdem die «Kindertotenlieder» und «Rückert-Lieder». Die neue CD ist gleich zweimal erschienen. Einmal einzeln, einmal als Teil einer Sammler-Edition mit dreizehn CDs. Die Gerhaher-Box enthält auch die Aufnahme der «Gesellen»-Lieder mit dem Ensemble Hyperion von 2003, in Arnold Schönbergs Bearbeitung für Kammerensemble – eine Gelegenheit zum Vergleich.
Dürften wir nur ein einziges Attribut vergeben, würden wir sagen: Die Interpretation ist pessimistischer geworden. Schon der Einstieg in «Wenn mein Schatz Hochzeit macht» ist verhaltener als auf der früheren Aufnahme, desgleichen der Mittelteil «Blümlein blau!»: In der Kammerversion gönnt Gerhaher dem lyrischen Ich das selige Erleben der Erinnerung, während er es unter Nagano in die Resignation eines Verlassenen eintaucht. Dunkle Melancholie überschattet auch das zweite Lied, «Gieng heut’ Morgen übers Feld», dessen letzte Verse «Nun fängt auch mein Glück wohl an? Nein, nein, das ich mein’, mir nimmer blühen kann!» immer mitschwingen. Der Schluss ist ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Wiebke Roloff
Für den Fettwanst Falstaff, der nach der Liebe der Frauen und den Geldbörsen ihrer Männer giert, ist die Welt das, was er in seinen Bauch hineinschlingt: «Dies ist mein Reich, ich muss es vergrößern.» Christof Nel hat Verdis Alterswerk über den schmarotzenden Fresser jetzt in Mannheim inszeniert und trifft die bösartige Komik vom betrogenen Betrüger, dem es die...
Es ist ruhig geworden um die Kölner Oper. Nach den Eruptionen, mit denen die kurze Intendanz von Uwe-Eric Laufenberg zu Ende gegangen ist, mag man das als Wohltat empfinden. Doch die Ruhe ist teuer erkauft: Der Spielplan wird drastisch ausgedünnt, die Mittel schrumpfen, und hinter den Kulissen köcheln noch immer die gleichen Querelen.
Produktionen von hohem Rang...
Das Schlosstheater in der Schwetzinger Sommerresidenz der pfälzischen Kurfürsten gehört zu den wenigen Theaterbauten des 18. Jahrhunderts, die sich in Deutschland erhalten haben. Im Frühjahr nutzt es der SWR für die von ihm begründeten Schwetzinger Festspiele, im Juli das Nationaltheater Mannheim für den alle zwei Jahre veranstalteten «Mozart-Sommer». In der kalten...
