Slapstick und Weltekel

«Don Giovanni» rabiat: Herbert Fritsch macht sich an der Komischen Oper Berlin einen Jux, Krzysztof Warlikowski zelebriert in Brüssel Dekadenz mit Sex & Drugs

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Zwei Extremisten am Werk, lustvoll hier, qualvoll dort. War es dasselbe Stück, Mozarts Oper aller Opern? In Berlin tobt Slapstick über die Bühne, in Brüssel überrollt ein Sexualalptraum das Publikum. Rabiat entgrenzt beide Versionen – Lichtjahre entfernt von jeder einfühlenden Aufführungstradition. Felsenstein, Konwitschny, Sellars, Chéreau, Brook – weggeschoben.

Beide, Herbert Fritsch an der Komischen Oper und Krzysztof Warlikowski am Brüsseler Théâtre Royal de La Monnaie, gehen dem Dramma giocoso ungestüm an die Wäsche, greifen unterschiedlich ein in die von Mozart und da Ponte feingeschliffene Balance von subtiler Erotik und sexueller Explosion, Tragik und Komik, sozialer Einbettung und starrem Autismus der Figuren. So bleibt das Rätsel des «Dissoluto punito», dieser immerwährenden Skepsis um den «bestraften Wüstling», aktuell. Unterschiedlicher hätte auch der Zugriff der Chefdirigenten, Henrik Nánási und Ludovic Morlot, nicht ausfallen können.

Von Fritsch, dem Castorf-Mimen und Regisseur dadaistischen Bühnenzaubers («Murmel Murmel» usw.), hat man nichts anderes erwartet. Zum ersten Mal bringt er große Oper auf die Bretter, und natürlich beginnt er nicht mit der Ouvertüre. Am ...

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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Wolfgang Schreiber

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