Slapstick und Weltekel
Zwei Extremisten am Werk, lustvoll hier, qualvoll dort. War es dasselbe Stück, Mozarts Oper aller Opern? In Berlin tobt Slapstick über die Bühne, in Brüssel überrollt ein Sexualalptraum das Publikum. Rabiat entgrenzt beide Versionen – Lichtjahre entfernt von jeder einfühlenden Aufführungstradition. Felsenstein, Konwitschny, Sellars, Chéreau, Brook – weggeschoben.
Beide, Herbert Fritsch an der Komischen Oper und Krzysztof Warlikowski am Brüsseler Théâtre Royal de La Monnaie, gehen dem Dramma giocoso ungestüm an die Wäsche, greifen unterschiedlich ein in die von Mozart und da Ponte feingeschliffene Balance von subtiler Erotik und sexueller Explosion, Tragik und Komik, sozialer Einbettung und starrem Autismus der Figuren. So bleibt das Rätsel des «Dissoluto punito», dieser immerwährenden Skepsis um den «bestraften Wüstling», aktuell. Unterschiedlicher hätte auch der Zugriff der Chefdirigenten, Henrik Nánási und Ludovic Morlot, nicht ausfallen können.
Von Fritsch, dem Castorf-Mimen und Regisseur dadaistischen Bühnenzaubers («Murmel Murmel» usw.), hat man nichts anderes erwartet. Zum ersten Mal bringt er große Oper auf die Bretter, und natürlich beginnt er nicht mit der Ouvertüre. Am ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Wolfgang Schreiber
Mussorgskys mächtige, dissonante Glockenakkorde setzen die Interpunktion in einem Drama, dessen tragischer Held ein Kollektiv ist. Das Volk. Weil das Volksdrama, wie es Mussorgsky vorschwebte, sich nicht nur in der russischen Geschichte wiederholt, hat sich Regisseur Lev Dodin gegen eine platte Aktualisierung entschieden. Stattdessen ließ er sich, um Hierarchien...
Verkannt, versucht, für gut befunden
Üblicherweise streicht Gluck das Lob für die Opernreform im 18. Jahrhundert ein. Dabei war er nicht der Einzige, ja nicht einmal der Erste. Was trug zum Beispiel der Italiener Niccolò Jommelli dazu bei? Sergio Morabito hat im Vorfeld der Stuttgarter Neuproduktion von «Berenike» nachgeforscht.
Vagabunden
Das Staatstheater am...
ARD-ALPHA
4.1. – 11.00 Uhr
Lorin Maazel dirigiert
Mozart: Symphonie g-moll KV 183; Symphonie C-Dur KV 551; Violinkonzert A-Dur KV 219, Solist: Ingolf Turban.
6.1. – 11.00 Uhr
Marcello Viotti stellt vor:
Ravel: Ma Mére l’oye.
6.1. – 20.15 Uhr
Strauss: Der Rosenkavalier.
Salzburger Festspiele 2014. Musikalische Leitung: Franz Welser-Möst, Inszenierung: Harry Kupfer....
